Berlin (dpa) - Mit harten Attacken auf Schwarz-Gelb haben die Grünen-Spitzenkandidaten Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt ihre Partei auf eine Ablösung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeschworen.

"Lasst Euch nicht erzählen, wir würden das nicht schaffen", rief Trittin den rund 800 Delegierten zum Auftakt des Grünen-Bundesparteitags am Freitagabend in Berlin zu. "Die Mutlosen von heute, das sind die Verlierer von morgen", sagte er angesichts der Umfrageschwäche auch des Wunschpartners SPD. "Eine Regierung, die nicht mehr regiert, gehört auf die Bänke der Opposition, dafür werden wir sorgen", versprach Trittin.

Der Parteilinke bekräftigte, die Sozialdemokraten seien der einzige Koalitionspartner, mit dem der erwünschte grüne Wandel gelingen könne. "Man kann mit ihnen koalieren, aber es ist verdammt viel Arbeit", räumte Trittin ein. Für einen Machtwechsel müsse auch noch viel gekämpft werden.

Mit der Union wollten es die Grünen auf keinen Fall versuchen. "Mit solchen korrupten Amigos wie dem Schmid von der CSU koalieren Grüne nicht. Wir sorgen dafür, dass sie abgewählt werden", sagte Trittin mit Blick auf den zurückgetretenen CSU-Fraktionschef Georg Schmid.

Göring-Eckardt forderte Solidarität mit SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück. "Wir können uns über tapsige Auftritte von Herrn Steinbrück aufregen." Die Grünen könnten aber auch beginnen, für eine bessere Regierung zu kämpfen. Dann klappe es auch mit dem Wechsel: "Wir können übrigens auch dafür sorgen, dass Angela Merkel wieder mehr Zeit hat in Hohenwalde", sagte Göring-Eckardt unter Anspielung auf das Domizil der Kanzlerin in der Uckermark.

Auf ihrem Parteitag wollen die rund 800 Grünen-Delegierten bis Sonntag in einem Abstimmungsmarathon ein detailliertes ökologisches und soziales Wahlprogramm bestimmen. Abweichende Ansichten gibt es vor allem bei den Themen Steuer- oder Arbeitsmarktreformen.

Fünf Monate vor der Bundestagswahl warb Trittin für die von ihm mit vorbereiteten Steuerpläne. "Bei den Grünen gewinnen alle, die weniger als 60 000 Euro verdienen", sagte er mit Blick auf die geplante Erhöhung des Grundfreibetrags. Die geplante Erhöhung des Spitzensteuersatzes ab 80 000 Euro Einkommen verteidigte er. "Das betrifft 7 Prozent der Einkommenssteuerzahler." Allerdings wollen die Grünen auch die Erbschaftssteuer erhöhen und das Ehegattensplitting abschmelzen.

Trittin wies die Kritik zurück, dass die geplante höhere Belastung von Vermögenden durch eine Abgabe zulasten des Mittelstands gehe. "Das ist eine Vermögensabgabe nach Maß und Mitte." Im Vorfeld hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der "Süddeutschen Zeitung" gefordert, "dass wir der Wirtschaft keine unzumutbaren Belastungen aufbürden dürfen". Parteiprogramme würden zudem kaum je eins zu eins Realität.

Die Steuerpläne der Grünen kommen nach einer Umfrage bei der Mehrheit der Deutschen gut an. Im aktuellen ZDF-"Politbarometer" sprachen sich 52 Prozent für die geforderte Erhöhung der Einkommensteuer ab 60 000 Euro Jahreseinkommen und einen Spitzensteuersatz von 49 Prozent ab 80 000 Euro aus. 43 Prozent hielten die Pläne für falsch.

In Führungskreisen der Partei hieß es, die Steuerfragen würden wohl gar nicht die Hauptstreitpunkte des Konvents werden. Angesichts der Christen in der Partei bereitete den Parteistrategen vielmehr die Forderung Sorgen, die Geldflüsse des Staates an die Kirchen und den kirchlichen Sonderstatus im Arbeitsrecht zu beenden.

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