Berlin (dpa) - Ungeachtet der Umfrageschwäche der SPD haben die Grünen Forderungen nach mehr Distanz zum Wunschkoalitionspartner eine eindeutige Absage erteilt.

Beim Bundesparteitag in Berlin stimmten die rund 800 Delegierten am Freitagabend dagegen, dass die Grünen von einem Wahlkampf für eine rot-grüne Koalition Abstand nehmen. Spitzenkandidat Jürgen Trittin schwor die Partei auf Kampfgeist für Rot-Grün ein: "Die Mutlosen von heute, das sind die Verlierer von morgen." Trittin sagte weiter: "Lasst Euch nicht erzählen, wir würden das nicht schaffen."

Hätten Vertreter des Realoflügels der Partei mit ihrer Forderung nach weniger Schulterschluss mit der SPD im Wahlkampf Erfolg gehabt, wäre dies wohl auch Befürwortern einer schwarz-grünen Alternative entgegengekommen. Auch an anderer Stelle werben die Grünen in ihrem Programm allerdings für Rot-Grün.

Am späten Abend stimmten die Grünen für eine schnellen Umstellung auf erneuerbare Energien. Bis 2030 solle die Stromversorgung komplett auf Sonne, Wind und Wasser umgestellt werden, so der klare Mehrheitsbeschluss.

Trittin und die zweite Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt attackierten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hart. "Eine Regierung, die nicht mehr regiert, gehört auf die Bänke der Opposition, dafür werden wir sorgen", versprach Trittin. "Mit solchen korrupten Amigos wie dem Schmid von der CSU koalieren Grüne nicht. Wir sorgen dafür, dass sie abgewählt werden", sagte Trittin mit Blick auf den zurückgetretenen CSU-Fraktionschef Georg Schmid.

Der Parteilinke ließ erkennen, dass er auch ein Bündnis mit den Sozialdemokraten nicht für einfach hält. "Man kann mit ihnen koalieren, aber es ist verdammt viel Arbeit", sagte Trittin. Für einen Machtwechsel müsse auch noch viel gekämpft werden.

Göring-Eckardt forderte Solidarität mit SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück. "Wir können uns über tapsige Auftritte von Herrn Steinbrück aufregen." Die Grünen könnten aber auch beginnen, für eine bessere Regierung zu kämpfen. Dann klappe es auch mit dem Wechsel: "Wir können übrigens auch dafür sorgen, dass Angela Merkel wieder mehr Zeit hat in Hohenwalde", sagte Göring-Eckardt unter Anspielung auf das Domizil der Kanzlerin in der Uckermark.

Auf ihrem Parteitag wollen die Grünen bis Sonntag in einem Abstimmungsmarathon ein detailliertes ökologisches und soziales Wahlprogramm bestimmen. Abweichende Ansichten gibt es vor allem bei den Themen Steuer- oder Arbeitsmarktreformen.

Fünf Monate vor der Bundestagswahl warb Trittin für die von ihm mit vorbereiteten Steuerpläne. "Bei den Grünen gewinnen alle, die weniger als 60 000 Euro verdienen", sagte er mit Blick auf die geplante Erhöhung des Grundfreibetrags. Die geplante Erhöhung des Spitzensteuersatzes ab 80 000 Euro Einkommen verteidigte er. "Das betrifft 7 Prozent der Einkommenssteuerzahler."

Die Kritik, die geplante höhere Belastung von Vermögenden etwa durch eine Abgabe könnte zulasten des Mittelstands gehen, wies Trittin zurück. "Das ist eine Vermögensabgabe nach Maß und Mitte." Im Vorfeld hatte Baden-Württembergs Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der "Süddeutschen Zeitung" gemahnt, "dass wir der Wirtschaft keine unzumutbaren Belastungen aufbürden dürfen".

Die Steuerpläne der Grünen kommen nach einer Umfrage bei der Mehrheit der Deutschen gut an. Im aktuellen ZDF-"Politbarometer" sprachen sich 52 Prozent für die Kernelemente aus, 43 Prozent hielten die Pläne für falsch.

Angesichts der Christen in der Partei könnte es auf dem Konvent noch zu Streit darüber kommen, ob die Grünen fordern sollen, die Geldflüsse des Staates an die Kirchen sowie den kirchlichen Sonderstatus im Arbeitsrecht zu beenden.

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