London (dpa) - Mit drastischen Worten hat sich die Kirche von England in die Diskussion um die ökonomischen Zustand Großbritanniens eingeschaltet. Der Erzbischof von Canterbury, oberste geistliche Instanz des Landes, bezeichnete die wirtschaftliche Lage als "Depression".

Großbritannien erreiche seit Jahren nicht mehr die Wirtschaftskraft von 2007, sagte der anglikanische Erzbischof Justin Welby, ein ehemaliger Finanzmanager in der Ölindustrie, am Samstag dem BBC-Radio. "In der Geschichte wurden Depressionen als längere Perioden bezeichnet, in denen eine Volkswirtschaft es nicht schaffte, auf den Stand von vor einer Rezession zurückzukehren", sagte Welby. Dies sei in Großbritannien seit 2007 der Fall.

Premierminister David Cameron schlug bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wales in die gleiche Kerbe. Großbritannien stehe am "Scheideweg", sagte Cameron. "Es ist der Moment wo man handelt oder fällt, wo man schwimmt oder untergeht", sagte Cameron. "Unser Land wird entweder eine Erfolgsstory sein, oder unter "ferner liefen" landen", sagte der Premierminister über den internationalen Wettbewerb, auch mit aufstrebenden Wirtschaftsnationen. "Ein großes, weltweites Wettrennen ist im Gange." Um den Wettlauf zu gewinnen bedürfe es Unternehmergeistes und Ideen, sagte der Regierungschef.

Großbritannien ist seit der Finanzkrise im Jahr 2008 in schweren Turbulenzen. Die stark auf Finanzdienstleistungen ausgerichtete Volkswirtschaft litt unter der Krise schwer, die Staatsfinanzen fielen tief in die roten Zahlen. Die Regierung Camerons versucht seit ihrem Amtsantritt 2010 mit einem rigiden Sparkurs die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen - bisher ohne durchgreifende Erfolge. Die Ratingagenturen Fitch und Moody's entzogen Großbritannien bereits die Top-Bonität. Der Internationale Währungsfonds (IWF) führt Großbritannien als Krisenland - obwohl im ersten Quartal 2013 wieder ein kleines Wachstum von 0,3 Prozent zu Buche stand.

Erzbischof Welby, der auch Mitglied einer parteiübergreifenden Kommission zur Untersuchung der Standards bei den britischen Banken ist, kritisierte auch die Anspruchs-Mentalität von Bankern und Managern in der Londoner City. Die Moral in der Branche sei aber gegenwärtig besser, als es schon einmal der Fall gewesen sei, sagte er. Er schlug vor, Banker künftig vor der beruflichen Zulassung einer besonderen Prüfung zu unterziehen.