Leipzig (dpa) - Die juristischen Nachwehen aus der Übernahmeschlacht mit VW hängen der Porsche Holding nach. Auf der Hauptversammlung am Dienstag beschäftigten sich die Fragen der Aktionäre vor allem mit dem daraus resultierenden Klagedickicht.

"Welche Risiken verschwiegen und verschweigen sie den einfachen Mitgliedern des Aufsichtsrats und den Aktionären?", fragte Martin Weinmann vom Verein "Verbraucherzentrale für Kapitalanleger" in Leipzig. "Welche Belastungen kommen noch auf die Gesellschaften zu?" Auch Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hakte bei Risiken aus den laufenden Verfahren nach.

Neben der Schadenersatzklagen von Aktionären, die sich während der Übernahmequerelen zwischen Porsche und VW nicht ausreichend informiert sahen, stehen auch Fragen über Verantwortung von Managern und Aufsichtsräten aus. Ex-Finanzchef Holger Härter muss sich wegen Kreditbetrugs verantworten, er und sein Ex-Chef Wendelin Wiedeking sind zudem wegen Marktmanipulation angeklagt. In dem Zusammenhang ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen Porsche-Aufsichtsräte.

Rechtsanwalt Weimann, der die Holding schon mit mehreren Klagen nach Hauptversammlungen überzogen hat, beantragte deshalb eine Absetzung von Wolfgang Porsche als Versammlungsführer. Ohne Aussicht auf Erfolg - die stimmberechtigten Stammaktien der Holding liegen fast komplett bei den Familien Porsche und Piëch. So sorgen seine Fragen zwar für Arbeit hinter den Kulissen der Hauptversammlung, die Abstimmungen bei Porsche sind aber in der Regel unkritisch.

Bei Porsche schüttelt man die rechtlichen Vorwürfe ohnehin ab: "Wir halten die Klagen für unbegründet", lautete die Standardantwort. Selbst im Streit um die Schadenersatzforderungen ist man siegessicher. "Wir beurteilen unsere Prozessaussichten positiv", sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. Porsche hat es geschafft, die meisten Klagen nach Deutschland zu holen.

Aufatmen kann man bei Porsche nach Einschätzung von Fachleuten deshalb nicht. "Die potenziellen Belastungen sind erheblich", sagte Branchenexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Laut Geschäftsbericht hat Porsche bislang nur 41 Millionen Euro für die Prozesse zurückgelegt. Als Puffer könnten die 2,6 Milliarden Euro dienen, welche die Holding nach dem Verkauf des Sportwagenherstellers Porsche AG in der Kasse hat. 

Die sind eigentlich anders verplant. Porsche will den überwiegenden Teil der Mittel in Firmen investieren, welche die wichtigste Beteiligung, den Volkswagen-Konzern, ergänzen. Trotzdem sollte Porsche nach Einschätzung von Bratzel noch etwas auf der hohen Kante haben: "Wenn noch etwas aus den Milliardenklagen kommt, wäre es gut, das aus den Mitteln tragen zu können."

Unterlagen zur Hauptversammlung

Porsche-Geschäftsbericht