Leipzig/New York (dpa) - Die juristischen Nachwehen aus der Übernahmeschlacht mit VW hängen der Porsche Holding nach. Auf der Hauptversammlung am Dienstag beschäftigten sich die Fragen der Aktionäre vor allem mit dem daraus resultierenden Klagedickicht.

"Welche Risiken verschwiegen und verschweigen sie den einfachen Mitgliedern des Aufsichtsrats und den Aktionären?", fragte Martin Weinmann vom Verein "Verbraucherzentrale für Kapitalanleger" in Leipzig. "Welche Belastungen kommen noch auf die Gesellschaften zu?" Auch Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hakte bei Risiken aus den laufenden Verfahren nach.

Neben der Schadenersatzklagen von Aktionären, die sich während der Übernahmequerelen zwischen Porsche und VW nicht ausreichend informiert sahen, stehen auch Fragen über Verantwortung von Managern und Aufsichtsräten aus. Ex-Finanzchef Holger Härter muss sich wegen Kreditbetrugs verantworten, er und sein Ex-Chef Wendelin Wiedeking sind zudem wegen Marktmanipulation angeklagt. In dem Zusammenhang ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen Porsche-Aufsichtsräte.

Rechtsanwalt Weimann, der die Holding schon mit mehreren Klagen nach Hauptversammlungen überzogen hat, beantragte deshalb eine Absetzung von Wolfgang Porsche als Versammlungsführer. Wolfgang Porsche aber wurde erneut in den Aufsichtsrat gewählt und bleibt Chef des Gremiums. Der Versuch, Wolfgang Porsche abzusetzen, war von vorneherein zum Scheitern verurteilt - die stimmberechtigten Stammaktien sind fast komplett in der Hand der Familie Porsche und Piëch. Den Rest hält die Quatar Holding Abstimmungen fallen daher in der Regel unkritisch aus.

Bei Porsche schüttelt man die rechtlichen Vorwürfe ohnehin ab: "Wir halten die Klagen für unbegründet", lautete die Standardantwort. Selbst im Streit um die Schadenersatzforderungen ist man siegessicher. "Wir beurteilen unsere Prozessaussichten positiv", sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. Porsche hat es geschafft, die meisten Klagen nach Deutschland zu holen.

In den USA errang die Porsche Holding unterdessen einen weiteren Etappensieg. Noch einmal zwölf Kläger zogen ihre Berufung vor einem US-Bundesgericht zurück, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Bereits Anfang März hatten mehrere Kläger ihre Ansprüche zurückgenommen. Nun bleiben nur noch acht Kläger übrig.

Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Porsche alle Streitigkeiten um die VW-Übernahmeschlacht in Deutschland austragen kann. Die zwölf Kläger, die nun zurückgezogen haben, können immer noch Klage in Braunschweig einreichen, sagte ein Sprecher. Bislang hätten sie von dieser Möglichkeit noch nicht Gebrauch gemacht.

Vor dem US-Bundesgericht hatten ursprünglich insgesamt 46 Hedgefonds Schadensersatzklagen gegen die Porsche SE und zum Teil auch gegen ehemalige Vorstandsmitglieder der Porsche SE erhoben und einen Schaden von insgesamt mehr als 2,5 Milliarden Dollar. Sie waren in erster Instanz abgewiesen worden. 32 Kläger hatten darauf Berufung eingelegt, davon sind jetzt noch acht übrig.

Aufatmen kann man bei Porsche nach Einschätzung von Fachleuten deshalb nicht. "Die potenziellen Belastungen sind erheblich", sagte Branchenexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Laut Geschäftsbericht hat Porsche bislang nur 41 Millionen Euro für die Prozesse zurückgelegt. Als Puffer könnten die 2,6 Milliarden Euro dienen, welche die Holding nach dem Verkauf des Sportwagenherstellers Porsche AG in der Kasse hat. 

Die sind eigentlich anders verplant. Porsche will den überwiegenden Teil der Mittel in Firmen investieren, welche die wichtigste Beteiligung, den Volkswagen-Konzern, ergänzen. Trotzdem sollte Porsche nach Einschätzung von Bratzel noch etwas auf der hohen Kante haben: "Wenn noch etwas aus den Milliardenklagen kommt, wäre es gut, das aus den Mitteln tragen zu können."

Unterlagen zur Hauptversammlung

Porsche-Geschäftsbericht