München (dpa) - Mit mehr Kampf als Klasse ist Florian Mayer ins Achtelfinale des Münchner ATP-Turniers eingezogen. Beim knappen 7:6 (7:2), 4:6, 7:5 über den Qualifikanten Lukasz Kubot hatte der Bayreuther wesentlich größere Mühe als gedacht.

"Er hat unglaublich gut gespielt und mir nicht die Ballwechsel gegeben, um ins Spiel zu kommen", urteilte Mayer nach 2:33 Stunden Spielzeit, bewertete den Erstrunden-Pflichtsieg über den polnischen Nobody aber dennoch positiv: "ein hartes Match zum Turnierauftakt ist nicht schlecht." In Runde zwei trifft der 29-Jährige nun auf den Australier Marinko Matosevic, im Achtelfinale stehen damit vier deutsche Profis.

Unter wolkenbedecktem Münchner Himmel und bei frischen 13 Grad lief es für Mayer von Anfang an nicht rund. Der returnstarke Weltranglisten-100. schaffte mehrere Breaks gegen den drittbesten deutschen Profi, der oft lautstark mit sich haderte. Erst im Tiebreak entschied der 1,90 Meter große Schlaks den zähen ersten Durchgang für sich - und zeigte am Ende seine bis dato besten Schläge: Zunächst ein astreiner Longlineball, dann ein Schlag gegen Kubots Laufrichtung.

Aber auch im zweiten Satz lief kaum etwas nach Plan; beim Stand von 4:4 nahm der Pole Mayer gar das Aufschlagsspiel ab, weil der Deutsche im entscheidenden Moment ein verhängnisvoller Doppelfehler auf dem Münchner Sand unterlief. Diese Chance ließ sich der 30 Jahre alte Basecap-Träger Kubot nicht entgehen und schaffte den Ausgleich. Im dritten Durchgang stand Kubot dann bei 4:4 Spielen erneut ganz kurz vor dem Break, das Mayer mit viel Kampfkraft gerade so abwehrte. Nach 153 Minuten behielt der Deutsche schließlich knapp die Oberhand.

Mayer hielt sich gerade noch im Rennen - zwei andere Mitfavoriten haben sich dagegen schon verabschiedet. Einen Tag nach dem zweifachen Turniersieger Nikolai Dawydenko, im Jahr 2011 immerhin noch Mayers Finalgegner, ereilte auch dessen russischen Landsmann Michail Juschni das frühe Aus. Der Gewinner von 2010 unterlag bei den mit 467 800 Euro dotierten BMW Open dem Tschechen Radek Stepanek mit 4:6, 7:5, 4:6. Die hoch gehandelten deutschen Topprofis greifen erst Mitte der Woche ins Geschehen ein: Vorjahressieger Philipp Kohlschreiber und Tommy Haas hatten zunächst wie Janko Tipsarevic (Serbien) und Marin Cilic (Kroatien) Freilose zugesprochen bekommen.

Neben dem Spitzenduo und Florian Mayer steht als weiterer Deutscher auch der Deggendorfer Daniel Brands in Runde zwei. Für Qualifikant Matthias Bachinger war wie für Tobias Kamke und Kevin Krawietz dagegen schon nach dem Auftaktmatch Endstation. Der Dachauer Bachinger verlor am Dienstag gegen den Serben Viktor Troicki in zwei Sätzen deutlich mit 3:6, 2:6 - und sagte früh Servus.