Tel Aviv (dpa) - Ein neuer Friedensvorstoß der Arabischen Liga für Nahost hat in der Region für vorsichtigen Optimismus gesorgt. Erstmals räumte die Liga die Möglichkeit eines Gebietstausches zwischen Israel und Palästinensern ein.

Israel braucht nach Worten seines Regierungschefs Benjamin Netanjahu Frieden mit den Palästinensern, wenn es nicht zu einem binationalen Staat werden wolle.

Der Kern des Konflikts sei jedoch nicht der Streit um Gebiete, sondern die fehlende Anerkennung von Israels Existenzrecht als jüdischer Staat durch die Palästinenser, sagte er Medienberichten zufolge am Mittwoch in einer offensichtlichen Reaktion auf die Initiative der Arabischen Liga.

Überschattet wurden die positiven Töne jedoch von neuer Gewalt mit zwei Toten. Israels Luftwaffe tötete am Dienstag erstmals seit Beginn einer Waffenruhe vor fast einem halben Jahr wieder gezielt einen militanten Palästinenser im Gazastreifen. Bei Nablus erstach ein Palästinenser einen Siedler.

Israel begrüßte den neuen Friedensvorschlag der Arabischen Liga. "Israel ist jederzeit und an jedem Ort zu neuen Verhandlungen ohne Vorbedingungen bereit", sagte ein israelischer Regierungsvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Bei neuen Verhandlungen könnten beide Seiten ihre Positionen darlegen.

Gilad Erdan, Kommunikations- und Heimatschutzminister des regierenden rechtsorientierten Likud-Beitenu-Blocks, bezeichnete den Vorstoß als positiv, weil er die Palästinenser zur Rückkehr an den Verhandlungstisch ermutige. Die israelische Oppositionsführerin Shelly Jachimowich rief Netanjahu auf, der Initiative zuzustimmen.

Die Arabische Liga bemüht sich gemeinsam mit den USA, die seit 2010 unterbrochenen Friedensverhandlungen wieder in Gang zu bringen. Die Liga hatte am Montag erstmals vorgeschlagen, dass Israel und Palästinenser für eine Zwei-Staaten-Lösung auf der Basis der Grenzen vor 1967 auch einen Gebietsaustausch vereinbaren könnten. Bisher hatte sie auf einem Rückzug Israels aus allen 1967 eroberten Gebieten bestanden. Israel könnte dann die großen und grenznahen Siedlungsblöcke im Westjordanland behalten.

Auch die Palästinenserführung reagierte überwiegend positiv auf den Vorschlag. Chefunterhändler Saeb Erekat sagte, der Plan stimme mit den palästinensischen Positionen überein. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas fordert bisher als Bedingung für neue Verhandlungen einen vollständigen Stopp des israelischen Siedlungsbaus in den Palästinensergebieten.

US-Außenminister John Kerry bezeichnete die neue Haltung der Arabischen Liga als wichtigen Fortschritt. "Es darf nicht unterschätzt werden, dass Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Ägypter, die Jordanier und andere sagen: Wir sind jetzt bereit, 2013 Frieden zu schließen", zitierte ihn die Zeitung "Times of Israel".