Washington (dpa) - Gut zwei Wochen nach dem Terroranschlag von Boston hat die Polizei drei weitere Verdächtige festgenommen. Sie seien in Haft, meldete die Polizei in Boston am Mittwoch. Nach Informationen von US-Medien handelt es sich um zwei Studenten aus Kasachstan sowie einen US-Bürger.

Ihnen würden Falschaussagen, Behinderung der Justiz sowie Visa-Verstöße vorgeworfen. Sie würden aber keiner direkten Tatbeteilung beschuldigt. US-Präsident Barack Obama hatte bereits zuvor vor extremistischen Einzeltätern gewarnt - sie seien besonders schwer zu fassen.

Bei dem Anschlag auf den Boston Marathon waren drei Menschen getötet und über 200 verletzt worden. Als tatverdächtig gelten die Brüder Dschochar (19) und Tamerlan (26) Zarnajew. Der jüngere Bruder war wenige Tage nach dem Anschlag schwer verletzt gefasst worden und sitzt in Haft. Sein älterer Bruder wurde bei einer Verfolgungsjagd der Polizei erschossen. Beide haben Wurzeln in Tschetschenien.

Die am Mittwoch Festgenommenen hätten Verbindung zu den Brüdern Zarnajew gehabt und hätten teilweise mit ihnen studiert. Wie der TV-Sender CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen in der Justiz berichtetet, hätten sie Beweismaterial aus den Zimmern der Brüder beiseitegeschafft. Dabei solle es sich unter anderem um Feuerwerkskörper und einen Laptop gehandelt haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Die drei Festgenommenen würden noch im Laufe des Mittwochs (21.30 MESZ) dem Haftrichter vorgeführt, berichtete CNN weiter. Sie befänden sich in den Händen der Bundespolizei FBI.

Nach den weiteren Festnahmen versuchte die Polizei die Bevölkerung zu beruhigen. Es bestehe keine Gefahr, teilte die Bostoner Polizei per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Nach bisherigen Ermittlungen handelten die beiden Brüder allein, ohne direkten Kontakt zu islamistischen Terrorgruppen. US-Präsident Barack Obama hatte erst am Dienstag zur Wachsamkeit gegenüber extremistischen Einzeltätern aufgerufen. Anschläge von "selbst-radikalisierten Individuen", die bereits in den USA lebten, seien "schwieriger zu verhindern", sagte Obama in Washington. Der Anti-Terror-Kampf seiner Regierung sei bislang vor allem auf gut finanzierte und ausgerüstete Netzwerke wie Al-Kaida ausgerichtet.

Im Falle der beiden Terrorverdächtigen von Boston, der Brüder Zarnajew, sehe er bisher keine Fehler der Sicherheitsbehörden, sagte Obama. Zwar laufe derzeit eine Überprüfung, ob auf frühere Geheimdienst-Hinweise aus Russland richtig reagiert worden sei. Doch dies sei eine übliche Prozedur.

Nach US-Medienberichten hatten die Bundespolizei FBI und der Geheimdienst CIA den älteren Bruder nach Hinweisen aus Russland bereits seit 2011 im Visier. Der Name sei sogar auf Terrorlisten geführt worden. Dennoch konnte er sich frei bewegen.

Unterdessen vernahmen FBI-Agenten die Witwe des getöteten Tamerlan Zarnajew. Die Frau sei 90 Minuten lang im Haus ihrer Eltern in Rhode Island vernommen worden, sagte Ermittler Jason Pack der "Washington Post". Laut "New York Times" soll geprüft werden, ob die Frau - wissentlich oder nicht - Beweismittel vernichtet haben könnte oder die Anschläge vom 15. April sogar mitplante. Die Frau bestreitet laut ihrem Anwalt Amato DeLuca jegliche Beteiligung an der Tat.