Berlin (dpa) - Der Blogger und Autor Sascha Lobo wirft der Internet-Szene politisches Versagen vor. Die "Netzgemeinde" sei "eine Hobbylobby für das freie, offene und sichere Internet", sagte Lobo bei der Internetkonferenz re:publica - doch politisch habe sie ihre Forderungen bisher nicht durchsetzen können.

"Ich glaube, wir haben einfach verkannt, dass Netzpolitik zu aller-allererst Politik ist und nur ein ganz klein bisschen Netz", sagte er am späten Montagabend.

Die Netzszene verweigere sich der politischen Realität, dass man Verbündete finden und gemeinsam für Themen streiten müsse, um die eigenen Positionen durchzusetzen. Diese Koalitionen könnten von Fall zu Fall unterschiedlich sein. "Wir müssen uns fragen... was würde Merkel überzeugen?" riet Lobo den versammelten Bloggern, Internetaktivisten und netzinteressierten Zuhörern. Viele Netzaktivisten würde aufgrund festgefahrener Feindbilder übersehen, dass sie bei bestimmten Themen unerwartete Verbündete finden könnten.

Außerdem reiche es nicht, untereinander im Internet die eigene Wut auszutauschen. Das wichtigste Rezept sei jetzt, einfach etwas zu tun. "Ich glaube, dass wir allesamt zu wenig gemacht haben." Lobo stellte eine Software vor, mit der Aktivitäten in Sozialen Medien in das persönliche Blog eingebunden werden können, und rief dazu auf, Blogs wieder ins Zentrum der Netzerfahrung zu stellen.

Bezogen auf die umstrittenen Datengrenzen für Festnetz-Flatrates der Deutschen Telekom rief Lobo zu weiterem Protest auf. "Es ist ganz sinnvoll, einfach das älteste Instrument der Netzgemeinde weiter zu benutzen, nämlich den Shitstorm." Hier müsse wieder der Gedanke sein, die Politik von den Idealen der Internetgemeinde zu überzeugen. Viele Netzaktivisten halten das Prinzip der Netzneutralität hoch, nach der alle Daten im Internet gleich behandelt werden sollen. Sie sehen die Pläne der Telekom als Verstoß gegen diese Grundhaltung.

Webseite der Konferenz