Berlin/München (dpa) - Arrogant und abweisend: Das Auftreten der Hauptangeklagten Beate Zschäpe zu Beginn des Münchner NSU-Prozesses sorgt für Kritik bei den Angehörigen der Mordopfer. Auch die Unterbrechung des Verfahrens für eine Woche unmittelbar nach dem Start stößt auf Unverständnis.

"Das war ein schlechter Auftakt und man könnte auch sagen, indirekt ein "Vergraulprogramm" gegen die vielen Nebenkläger", sagte die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer, Barbara John, am Dienstag im rbb-Inforadio.

Die Tochter eines Mordopfers, Gamze Kubasik, hatte auf eine menschliche Regung von Zschäpe gehofft, nach dem es so viel Öffentlichkeit um die Morde und die Angehörigen gab. "Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass dort jemand sitzt, der über ein Jahr in U-Haft ist", sagt Kubasik der Nachrichtenagentur dpa. "Weil sie so gelassen war und provokativ gelacht hat." Dass die Verhandlung unterbrochen wurde, schockte die 27-Jährige aus Dortmund. "Weil ich mich schon emotional und seelisch auf diesen Prozess vorbereitet habe - es ist nicht leicht."

Der Berliner Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, der zwei Opferfamilien im NSU-Prozess vertritt, bezeichnete das Auftreten von Zschäpe als "selbstbewusst bis arrogant". "Sie schien sich im Glanz der Kameras zu sonnen und genoss es offenbar, im Mittelpunkt zu stehen", sagte er der "Berliner Zeitung" (Dienstag). Er kritisierte die Befangenheitsanträge der Verteidigung gegen den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl als offenkundig unbegründet.

Die Anträge haben schon am ersten Prozesstag zu einer Unterbrechung der Verhandlung für eine Woche gesorgt. Sie soll nun am 14. Mai fortgesetzt werden. Neben Zschäpe müssen sich vier mutmaßliche Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) in dem Prozess verantworten, der als einer der bedeutendsten in der Geschichte der Bundesrepublik gilt.

Zschäpe soll mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den NSU gebildet haben, der für zehn Morde zwischen 2000 und 2007 verantwortlich gemacht wird. Ihr droht lebenslange Haft. Ihre beiden Komplizen hatten sich im November 2011 selbst getötet, um einer Festnahme zu entgehen.

Aus Sicht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), hat oberste Priorität, dass es durch den NSU-Prozess zu einer "vollständigen Aufklärung dieser menschenverachtenden Morde" kommt. "Entscheidend ist, dass verloren gegangenes Vertrauen wieder hergestellt wird", sagte sie der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag).

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