Islamabad (dpa) - Trotz mehrerer Anschläge am Wahltag in Pakistan zeichnet bei der Parlamentswahl in der südasiatischen Atommacht eine hohe Beteiligung ab.

Ein Sprecher der Wahlkommission in Islamabad sagte, man rechne inzwischen damit, dass mehr als 60 Prozent der über 86 Millionen Wahlberechtigten am Samstag ihre Stimme abgeben würden. Bei der Parlamentswahl 2008 lag die Wahlbeteiligung bei 43,7 Prozent.

Bei einem Sprengstoffanschlag in der südpakistanischen Wirtschaftsmetropole Karachi wurden nach Krankenhausangaben mindestens elf Menschen getötet und 45 verletzt. Ziel sei ein Büro der paschtunischen Regionalpartei ANP gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

In der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar seien bei einem Bombenanschlag nahe eines Wahllokals acht Menschen verletzt worden, sagte der Chef des Lady-Redding-Krankenhauses, Iqbal Afridi. Bei einem zweiten Anschlag in Karachi wurden nach Angaben des dortigen Jinnah-Hospital vier Menschen verletzt.

Informationsminister Arif Nizami verurteilte die Gewalt. "Leider ist sie erwartet worden", sagte er. Die ANP und andere weltliche Parteien waren im Wahlkampf immer wieder von den pakistanischen Taliban (TTP) angegriffen worden. Die TTP hält die Wahl für "unislamisch". Bei Anschlägen gegen Parteiveranstaltungen und Kandidaten wurden seit April mehr als 120 Menschen getötet.

Die Wahl findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Mehr als 620 000 Polizisten, Paramilitärs und Soldaten sollen die Abstimmung vor Taliban-Anschlägen schützen.

Bis 17.00 Uhr (Ortszeit/14.00 MESZ) sind mehr als 86 Millionen Pakistaner aufgerufen, über die Vergabe von 268 Parlamentssitzen zu entscheiden. In vier Wahlkreisen hat die Wahlkommission die Abstimmung unter anderem wegen gewaltsamer Zwischenfälle verschoben. Es ist das erste Mal in der 65-jährigen Geschichte des Landes, dass eine zivile Regierung die Macht an demokratisch gewählte Nachfolger übergibt.

Der bisherigen Regierung unter der Volkspartei PPP droht eine Niederlage. Die besten Aussichten auf einen Wahlsieg hat nach einer repräsentativen Umfrage die Muslim-Liga von Nawaz Sharif (PML-N), der schon zweimal Premierminister war. Danach folgt die Tehreek-e-Insaf (PTI) von Kricket-Legende Imran Khan. Aussagekräftige vorläufige Ergebnisse werden am Sonntag erwartet.

Der Chef der Wahlkommission, Fakhruddin Ibrahim, sprach von "langen Schlangen von Männern und Frauen" vor den Wahllokalen. "Ich denke, es ist ein positiver Tag für das Land." Ibrahim appellierte an die Menschen, abzustimmen. "Wenn Sie Ihre Zukunft neu bestimmen wollen, dann müssen Sie wählen gehen." Auch auf Fernsehbildern war zu sehen, wie sich lange Schlangen bildeten.

In der Garnisonsstadt Rawalpindi gab Armeechef Ashfaq Parvez Kayani seine Stimme ab, was als symbolisches Bekenntnis zur Demokratie gewertet wurde. Das Militär hat in Pakistan etwa die Hälfte der Zeit seit der Unabhängigkeit 1947 geherrscht.

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