Istanbul/Brüssel (dpa) - Die blutigen Bombenanschläge in der türkischen Grenzstadt Reyhanli haben die Spannungen zwischen Ankara und Damaskus weiter verschärft.

Nach der Festnahme von türkischen Linksextremisten mit Kontakten zum syrischen Regime als mutmaßliche Täter warnte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, sein Land werde zu gegebener Zeit reagieren.

Hinter der Tat stecke das syrische Regime, sagte Erdogan. "Das ist gewiss." Unterdessen stieg die Zahl der Getöteten auf mindestens 49 Menschen.

Bei neun am Sonntag festgenommenen Beschuldigten handele es sich um Mitglieder der "Revolutionären Volksbefreiungspartei/-front" (DHKP-C) sowie einer Splittergruppe der "Türkischen Volksbefreiungspartei-Front" (THKP-C), berichteten türkische Medien. Auch der Sprengstoff soll demnach aus Syrien stammen. Damaskus wies die Vorwürfe einer Beteiligung an der Tat zurück.

Nach den Anschlägen hat Ankara keine zusätzliche Unterstützung der Nato angefordert. "Die Türkei hat nicht um Konsultationen gebeten", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen im militärischen Hauptquartier des Bündnisses in Mons (Belgien). Rasmussen wollte nicht über Einzelheiten von Notfallplänen für den Fall syrischer Angriffe auf die Türkei sprechen. "Aber ich kann versichern, dass wir alle Pläne, aktualisierte Pläne haben, um eine wirksame Verteidigung und den Schutz der Türkei sicherzustellen."

Erdogan hatte am Sonntag gewarnt, es gebe Versuche, die Türkei mit Provokationen in den Bürgerkrieg in Syrien zu verwickeln. "In diese Falle werden wir nicht treten", sagte er nun.

Auch die syrische Opposition sieht das Regime von Präsident Baschar al-Assad als Drahtzieher der Anschläge. Der Vorsitzende der Nationalen Syrischen Koalition, George Sabra, sagte in Istanbul, Ziel dieser Strategie sei es, nach der libanesischen Hisbollah-Miliz nun auch die Türkei in den Konflikt zu verwickeln.

Ein syrischer Oppositioneller sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir hatten eine Woche vor den Anschlägen über einen Informanten, der Syrien inzwischen verlassen hat, erfahren, dass diese linksextreme Gruppe mit Beziehungen zum Regime Anschläge in der Türkei und in Katar plant." Die katarische Regierung habe die Warnungen damals nicht ernst genommen, und erst nach den Explosionen in Reyhanli Interesse an den Informationen bekundet. Nach Angaben des Informanten liegt auch die Stadt Antakya im Visier der Extremisten.

Ein syrischer Parlamentarier behauptete dagegen, die Sprengsätze seien von Terroristen für Anschläge in Syrien vorbereitet worden und nur versehentlich in der Türkei explodiert. Die Attentäter hatten am Samstag zwei Autobomben in der wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegenden Stadt gezündet. Die Anschläge wurden international verurteilt.

Türkische Journalisten protestierten unterdessen gegen eine von einem Gericht in Reyhanli verfügte Einschränkung der Berichterstattung über das Unglück. Es sei für die Dauer von einer Woche verboten worden, Bilder der Opfer zu veröffentlichen.

Bei Kämpfen und Luftangriffen kamen in Syrien am Montag nach Angaben von Regierungsgegnern 44 Menschen ums Leben.

   Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) kann nicht mehr allen Notleidenden in Syrien helfen, wenn es nicht mehr Geld bekommt. Rund 50 Millionen Euro seien angesichts der Ausweitung des Krieges zusätzlich erforderlich, erklärte die Hilfsorganisation. Angesichts von immer mehr Notleidenden reichten die Kapazitäten zur humanitären Hilfe längst nicht aus, erklärte Robert Mardini, Leiter der IKRK-Operationen im Nahen und Mittleren Osten, vor Journalisten in Genf. Mit den von Geberländern erhofften zusätzlichen 50 Millionen Euro sollen die IKRK-Mittel für Syrien bis zum Jahresende auf 82 Millionen Euro aufgestockt werden.

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