Berlin (dpa) - Die Wohnungseinbrüche haben in Deutschland nicht nur zahlenmäßig zugenommen, die Einbrecher werden nach Polizeiangaben auch immer brutaler.

Früher habe noch der Grundsatz gegolten, dass Einbrecher nur kämen, wenn die Wohnung leer sei, "aber heute ist das anders", sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Mittlerweile sei das vielen Tätern schlicht egal - sie fesselten oder knebelten ihre Opfer notfalls einfach. "Das hat etwas zu tun mit der Straferwartung von Tätern", sagte Wendt. Sie gingen davon aus, dass sie entweder sowieso nicht geschnappt würden oder aber ohne Gefängnisstrafe davonkämen.

Die "Welt am Sonntag" hatte unter Berufung auf die Kriminalstatistik für 2012 berichtet, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr um 8,7 Prozent gestiegen sei. Wendt sagte dazu, die Ermittlungen bei Einbrüchen seien sehr zeitaufwendig und personalintensiv. "Es werden Tausende DNA-Spuren gesichert, aber nicht ausgewertet, weil wir uns erst um die schweren Straftaten kümmern müssen", sagte er.

Der Vorsitzende der Senioren-Union (SU), Otto Wulff, bezeichnete die Zunahme der Einbrüche um 8,7 Prozent als "Alarmzeichen". Er teilte mit: "Aus Angst vor Ganoven schließen sich viele Seniorinnen und Senioren in ihrer Wohnung ein und trauen sich kaum noch vor die Tür." Er forderte unter anderem mehr Polizeistreifen in Wohngebieten.