Berlin (dpa) - Die Wohnungseinbrüche haben in Deutschland nicht nur zahlenmäßig zugenommen, sie werden nach Polizeiangaben auch immer brutaler.

Früher habe noch der Grundsatz gegolten, dass Einbrecher nur kämen, wenn die Wohnung leer sei, "aber heute ist das anders", sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Mittlerweile sei das vielen Tätern schlicht egal - sie fesselten oder knebelten ihre Opfer notfalls einfach. "Das hat etwas zu tun mit der Straferwartung von Tätern", sagte Wendt. Sie gingen davon aus, dass sie entweder sowieso nicht geschnappt würden oder aber ohne Gefängnisstrafe davonkämen. Wenn man in der Wohnung sei und bemerke, das ein Einbrecher da sei, könne man sich am Besten im Zimmer einschließen und sofort die Polizei anrufen, riet Wendt.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) beklagte am Montag eine "zunehmende Brutalität", mit der die Täter vorgingen. Der Vorsitzende der Senioren-Union (SU), Otto Wulff, erklärte, viele Alte schlössen sich aus Angst in ihren Wohnungen ein.

Für Nordrhein-Westfalen sagte dagegen ein Sprecher des Innenministeriums in Düsseldorf, eine zunehmende Brutalisierung könne er nicht feststellen. "Ein Großteil der Einbrüche geschieht tagsüber."

Die "Welt am Sonntag" hatte unter Berufung auf die Kriminalstatistik für 2012 berichtet, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr um 8,7 Prozent gestiegen sei. Ermittler beobachteten bei einem Teil der Täter eine "neue Brutalität". Die Aufklärungsquote beim Einbruchdiebstahl sei mit 15,7 Prozent erschreckend niedrig. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will die neuen Zahlen am Mittwoch vorstellen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin teilte am Montag mit, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche 2012 erneut um 10 000 auf inzwischen 140 000 Straftaten gestiegen sei. Innerhalb der letzten drei Jahre hätten diese Delikte um fast 30 Prozent zugenommen. Ein Einbruch verursache inzwischen im Schnitt 3300 Euro Schaden. Vor zehn Jahren, 2002, seien es nur 2300 Euro gewesen.

Wendt sagte, die Ermittlungen bei Einbrüchen seien zeitaufwendig und personalintensiv. "Es werden Tausende DNA-Spuren gesichert, aber nicht ausgewertet, weil wir uns erst um die schweren Straftaten kümmern müssen." Auch André Schulz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, betonte, Einbruchsserien seien nur aufzuklären, wenn man die Handschrift des Täters entziffern könne. "Geht der zum Beispiel über die Regenröhre in den ersten Stock?" Um das herausfinden zu können, müssten die Polizeibeamte gut ausgebildet und spezialisiert sein, sagte Schulz der dpa.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) führt den Anstieg der Wohnungseinbrüche besonders auf das organisierte Vorgehen internationaler Banden zurück. Diese Banden kämen vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien. "Damit bestätigen sich leider unsere Warnungen, die wir bereits vor der Abschaffung der Grenzkontrollen zu Polen und Tschechien öffentlich gemacht haben", so der Vorsitzende der GdP Bundespolizei, Josef Scheuring.

Pressemitteilung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft