Berlin (dpa) - Sieben Monate nach der tödlichen Prügelattacke am Berliner Alexanderplatz müssen sich von heute an sechs mutmaßliche Schläger vor dem Landgericht in der Hauptstadt verantworten.

Jonny K. war im Oktober 2012 mit Tritten und Schlägen so attackiert worden, dass er wenig später an Gehirnblutungen starb. Sein Tod hatte Entsetzen und eine neue Debatte über Jugendgewalt ausgelöst.

Den Angeklagten im Alter zwischen 19 und 24 Jahren werden Körperverletzung mit Todesfolge oder gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft war ein Tötungsvorsatz nicht erkennbar, so dass Anklagen wegen Mordes oder Totschlags ausschieden. Auch ein Freund von Jonny K. wurde bei dem Angriff schwer verletzt. Fünf der Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft.

Einer der Angeklagten ist der 19-Jährige Onur U., der monatelang in der Türkei untergetaucht war. Ein zweiter Verdächtiger war ebenfalls lange auf der Flucht. Die anderen Vier hatten sich zuvor in Berlin der Polizei gestellt.

Nach juristischem Tauziehen und erfolgloser Fahndung brachte wohl erst eine Intervention von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan Bewegung in den Fall. Onur U. stellte sich dann im April der deutschen Justiz. In der Türkei hätte ihm bei einer Verurteilung eine höhere Strafe gedroht. Die Staatsanwaltschaft sieht in ihm die treibende Kraft des Angriffs.

In dem Prozess tritt die Schwester des Opfers, Tina K., als Nebenklägerin auf. Die 28-Jährige kündigte an, zu jedem Prozesstag zu kommen. "Es wird hart", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Erstmals werde sie die mutmaßlichen Schläger sehen. Tina K. wurde nach dem Tod ihres Bruders mit ihrem Einsatz gegen Gewalt und für Zivilcourage bekannt. "So soll es nicht weitergehen", sagte sie.

Am Wochenende vor Prozessbeginn prügelten zwei junge Frauen ganz in der Nähe des Tatorts eine 17-Jährige krankenhausreif. Das Opfer kam mit Verdacht auf einen Nasenbein- sowie einen Rippenbruch in eine Klinik, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Ein Passant hatte am Freitagabend die Polizei gerufen, die eine 20-Jährige festnahm.

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