Böblingen (dpa) - Die Tarifparteien in der Metallindustrie haben sich vor wegweisenden Verhandlungen noch einmal in Stellung gebracht.

Die Arbeitgeber appellierten an die IG Metall, die wirtschaftliche Situation der Branche stärker zu berücksichtigen.

"Die Lage wird von Woche zu Woche schwieriger", sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf vor der vierten Runde in Baden-Württemberg am Montag in Böblingen. Die Forderung der IG Metall von 5,5 Prozent mehr Geld überfordere eine Vielzahl der Betriebe und könne sie in die Verlustzone bringen.

Die Arbeitgeber bieten den 3,7 Millionen Beschäftigten bislang 2,3 Prozent auf 13 Monate bei zwei Nullmonaten - aus Sicht der IG Metall eine "Provokation".

Baden-Württembergs Gewerkschaftschef Jörg Hofmann wies die Darstellung der Lage durch die Arbeitgeber als reine "Psychologie" zurück und erinnerte an ein Plus an Aufträgen und einen "Rekordzuwachs" der Produktion in der Industrie.

Wolf signalisierte, dass der Durchbruch nicht im Südwesten sondern in Bayern anvisiert ist. Er machte darauf aufmerksam, dass Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger nicht vor Ort sei.

Er sei nur mit "kleiner Mannschaft" gekommen. In der Regel sind die Spitzen der Tarifpartner vor Ort, wenn ein Verhandlungsdurchbruch absehbar ist. Auch der Bundesvorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, ist in Böblingen nicht zugegen. Hofmann wertete es als positiv, wenn mehrere Tarifbezirke abschlussfähig sind. In München gehen die Tarifpartner an diesem Dienstag in die vierte Runde. Es wäre erste der Pilotabschluss in diesem Bezirk seit 1995.

Im vergangenen Jahr hatten die Tarifparten in Sindelfingen, Böblingens Nachbarstadt, einen richtungsweisenden Abschluss von 4,3 Prozent mehr Geld sowie unbefristete Übernahme von Auszubildenden und mehr Mitsprache von Betriebsräten beim Einsatz von Leiharbeitern geschmiedet. Baden-Württemberg gilt als Spezialist für solche qualitativen Themen, während sich der Streit dieses Jahr nur um Entgelt und Laufzeit dreht.

Hofmann bezeichnete die Verhandlungen im Südwesten als "wichtigen Meilenstein". Noch vor Pfingsten müsse ein Ergebnis erzielt werden. Wenn dies nicht gelingt, so droht die Gewerkschaft, wird wohl die Große Tarifkommission der IG Metall in Bayern eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik beschließen. Das wäre dann der erste Arbeitskampf in der Metall- und Elektroindustrie seit elf Jahren.

Hofmann betonte, er werde das Anliegen der Arbeitnehmer, an den glänzenden Gewinnen des vergangenen Jahres fair beteiligt zu werden, in die Gespräche einbringen. Er warnte davor, den Beschäftigten einen Reallohnzuwachs vorzuenthalten und damit die Konjunktur abzuwürgen. Wie wichtig den Arbeitnehmern ein angemessenes Lohnplus sei, zeige die Teilnahme an den Warnstreiks.

Seit dem Ende der Friedenspflicht am 1. Mai nahmen bundesweit bereits 530 000 Beschäftigte aus über 2000 Betrieben an den Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie teil.

Allein in Baden-Württemberg beteiligten sich am Montag über 62 600 Menschen aus 250 Betrieben an Warnstreiks; bei Daimlers größtem Produktionswerk Sindelfingen waren es 7000 Teilnehmer. In Bayern legten rund 31 000 Metaller aus 65 Betrieben die Arbeit vorübergehend nieder.

IG Metall

Verbandsgebiet und Mitglieder Südwestmetall

Pressemitteilung zu Arbeitgeberangebot

IG Metall zu Stichwort Streik