München (dpa) - Im Münchner NSU-Prozess haben die Anwälte der Angeklagten Beate Zschäpe beantragt, die Hauptverhandlung auszusetzen und in einem größeren Sitzungssaal neu zu beginnen. Die beschränkte Kapazität des Saales verletze den Grundsatz der Öffentlichkeit, hieß es zur Begründung des Antrags, den Verteidiger Wolfgang Heer am Dienstag in der Verhandlung vor dem Oberlandesgericht München stellte. Das Gericht unterbrach anschließend die Sitzung zur Mittagspause. 

Heer argumentierte, die Verfahrensbeteiligten und die Vertreter der Öffentlichkeit könnten "das prozessuale Geschehen nicht hinreichend verfolgen". Auch seien für die meisten Beteiligten keine ordnungsgemäßen Zeugenvernehmungen möglich, da sie die Zeugen nur von hinten sehen können. 

Heer beantragte, "die Hauptverhandlung in einem Sitzungssaal neu zu beginnen, der eine ausreichende räumliche Kapazität und eine im Hinblick auf die Bedeutung dieses Verfahrens ausreichende Anzahl von Sitzplätzen für die Öffentlichkeit gewährleistet". Eine Videoübertragung auf eine Leinwand im Saal würde diesen Mangel nicht beheben, da die Zeugen nicht ununterbrochen zu sehen seien.

Bundesanwaltschaft Herbert Diemer sagte in einer ersten Reaktion vor Gericht, er gehe davon aus, dass der Antrag abgelehnt werde. Die Hauptverhandlung solle fortgesetzt werden, "so dass die Anklage verlesen werden kann". Das OLG war bereits vor Prozessbeginn für die Wahl des Verhandlungssaals kritisiert worden. Dieser bietet insgesamt nur 51 Zuschauern und 50 Journalisten Platz.

Pressemitteilung zur Anklageerhebung