Hamburg/Berlin (SID) - Claudia Pechstein hat den Streit mit dem Pharmakologen Fritz Sörgel vor dem Hamburger Oberlandesgericht vorzeitig beendet. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin nahm am Tag der geplanten Urteilsverkündung im Verfahren gegen den Nürnberger Wissenschaftler ihren Antrag auf Berufung zurück.

Sörgel hatte im Bayerischen Rundfunk behauptet, dass Retikulozyten Reporterzellen seien, "die uns zeigen, hier ist im Blutbildungssystem manipuliert worden. Das steht fest." Pechstein hatte daraufhin eine einstweilige Verfügung erstritten, gegen die sich wiederum Sörgel zur Wehr setzte. Gegen das Urteil aus dem Jahr 2011 wollte Pechstein Berufung einlegen - gab sich dieses Mal aber nicht so kämpferisch wie sonst.

"Das Thema hat sich durch die Diagnose von Professor Stefan Eber aus München doch längst erledigt. Jeder weiß mittlerweile, dass es eine medizinische Ursache für meine schwankenden und zweitweise erhöhten Retikulozyten gibt", sagte Pechstein über ihre Entscheidung und fügte an: "Die mir von meinem Vater vererbte Blutanomalie wird nicht mal mehr vom Gutachter des Weltverbandes ISU in Frage gestellt. Von daher soll Herr Sörgel gerne weiter die Fakten ignorieren, das interessiert mich schon lange nicht mehr."

"Ich bin froh, dass die Entscheidung so gefallen ist. Ansonsten könnte sich ja jeder unliebsame Wissenschaftler vom Leib halten", sagte Sörgel dem SID und ergänzte: "Ich stehe dem Gutachten von Herrn Professor Eber nach wie vor sehr kritisch gegenüber."

Pechstein war wegen erhöhter Retikulozyten-Werte vom Weltverband ISU 2009 für zwei Jahre gesperrt worden, ohne dass es einen positiven Dopingbefund gegeben hatte. Am 8. Februar 2011 war die Sperre abgelaufen. Nach Ablauf der Strafe nahm die Berlinerin wieder an Wettkämpfen teil, gehört mittlerweile wieder zur Weltspitze und plant ihren Start bei den Olympischen Spielen im kommenden Winter in Sotschi.