Dortmund (dpa) - Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Auch fünf Tage vor dem Champions-League-Endspiel blieb Mario Götze auf Tauchstation. Um dem Blitzlichtgewitter der Fotografen zu entkommen, zog sich der Dortmunder Jungstar auf dem Weg in die Kabine das Trikot über den Kopf.

Zur Klärung der Frage, ob er am Samstag im Duell mit dem FC Bayern ein letztes Mal das schwarz-gelbe Trikot überstreift, trug die Geste wenig bei. Ebenso wie das morgendliche Geheimtraining, bei dem der künftige Bayern-Profi einsam seine Runden drehte. Letztmals mit der Öffentlichkeit traf Götze vor Tagen in Kontakt - via Facebook: "Kämpfe und arbeite hart für das Finale."

Anders als geplant, schwitzte das Dortmunder Sorgenkind am Dienstagmorgen nicht im Kreis der Mannschaft, sondern begnügte sich - abgeschirmt von einem Sichtschutz - mit individuellen Laufeinheiten. Anders als bei seiner individuellen Laufeinheit am Morgen arbeite er wenige Stunden später auch mit dem Ball.

In den drei Wochen nach dem Halbfinal-Rückspiel in Madrid, bei dem er sich einen Muskelfaserriss an der Oberschenkelrückseite zugezogen hatte, blieben Götze Rückschläge erspart. "Es wäre sehr hilfreich, wenn wir auf ihn zählen könnten", sagte der ebenfalls angeschlagene Abwehrchef Mats Hummels dem "Kicker".

Der nahe Abschied aus Dortmund und das anstehende Duell mit seinen künftigen Bayern-Mitstreitern wird Götze in den kommenden Tagen einen Medienrummel in bisher nicht gekanntem Ausmaß bescheren. Schon zum Start in die heiße Vorbereitung auf Wembley stand der 20-Jährige im Mittelpunkt. Dazu trug das Geständnis von Jürgen Klopp in der englischen Zeitung "Guardian" bei. Ungewohnt deutlich räumte der BVB-Trainer ein, wie tief ihn die Nachricht vom Götze-Wechsel getroffen hatte: "Es war wie ein Herzanfall."

Erinnerungen an den Tag, an dem ihn der BVB-Sportdirektor von den Plänen unterrichtete, bereiten Klopp noch immer Unbehagen: "Michael Zorc lief auf dem Trainingsgelände herum, als sei jemand gestorben." Alle Versuche, Götze umzustimmen, seien erfolglos geblieben: "Die Bayern sagten Mario: jetzt oder nie. Ich sagte ihm, die werden es nächstes Jahr und in zwei Jahren wieder versuchen. Aber er ist 20 und dachte, ich muss gehen."

Wie bei Götze gehen die Dortmunder Mannschaftärzte auch bei Hummels weiterhin von einer rechtzeitigen Genesung aus. Eine Bänderdehnung im Außenband aus dem letzten Bundesliga-Saisonspiel gegen 1899 Hoffenheim (1:2) zwang den Dortmunder Abwehrchef am Dienstag erwartungsgemäß zu einer Pause. Behutsam sollen die Belastungen in den kommenden Tagen gesteigert werden.

Nach einer bisher famosen Champions-League-Saison der Borussia will sich der Nationalverteidiger nicht mit der Finalteilnahme begnügen: "Helden im tatsächlichen Wortsinn können wir erst werden, wenn wir das Ding auch für uns entscheiden."

Voller Vorfreude auf Wembley stellte der einstige Bayern-Profi den Fußballfans ein Spektakel in Aussicht: "Ich denke, dass dieses Spiel eines der am meisten umkämpften sein wird, das es je zwischen zwei deutschen Teams gab."

Guardian