Dortmund (dpa) - Der FC Bayern setzte den Countdown für Wembley im Geheimen fort, bei Borussia Dortmund blieb Mario Götze auf Tauchstation.

Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen - um dem Blitzlichtgewitter der Fotografen zu entkommen, zog sich der Dortmunder Jungstar auf dem Weg in die Kabine sogar das Trikot über den Kopf.

Zur Klärung der Frage, ob er am Samstag im Duell mit dem FC Bayern ein letztes Mal das schwarz-gelbe Jersey überstreift, trug die Geste zunächst wenig bei. Ebenso wie das morgendliche Geheimtraining, bei dem der künftige Bayern-Profi einsam seine Runden drehte. Am Nachmittag kehrte er allerdings zur gemeinsamen Arbeit mit seinen Noch-Kollegen zurück - erstmals seit drei Wochen. Er "kämpfe und arbeite hart für das Finale", hatte Götze vor Tagen verlauten lassen.

Die Einsätze Götzes und des ebenfalls angeschlagenen Mats Hummels sind wahrscheinlich. "Ich wünsche jedem Spieler, dass er an diesem Finale teilnehmen kann", erklärte Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer. Faire Wünsche vonseiten des Fußball-Rekordmeisters, aber sie unterstreichen auch das, was Sammer & Co. in dieser Saison vorleben: Angst hat der FC Bayern vor nichts und niemandem.

Große Vorfreude strahlten Arjen Robben und Sammer am Dienstag aus, der Sportvorstand hob zudem den Botschaftscharakter der fieberhaft erwarteten Begegnung hervor. "Der deutsche Fußball sollte stolz sein, dass zwei Mannschaften aus Deutschland das Finale bestreiten können", erklärte Sammer.

Dass Dortmunds Trainer Jürgen Klopp in englischen Medien die Bayern derweil mit einem James-Bond-Bösewicht verglich, ließ Sammer nicht an sich ran. "Ich kann nicht für andere antworten oder auch denken", sagte er. "Wir wollen unseren Weg gehen, wie wir ihn für richtig halten."

Der Dortmunder Weg vom Dienstag hieß vor allem Schweigen. Anders als geplant, schwitzte das Dortmunder Sorgenkind Götze zumindest am Morgen nicht im Kreis der Mannschaft, sondern begnügte sich - abgeschirmt von einem Sichtschutz - mit individuellen Laufeinheiten. Wenige Stunden später trainierte er jedoch erstmals seit seiner Oberschenkelverletzung wieder im Kreis seiner Mitstreiter. "Es wäre sehr hilfreich, wenn wir auf ihn zählen könnten", sagte der ebenfalls angeschlagene Abwehrchef Hummels dem "Kicker".

Der nahe Abschied aus Dortmund und das anstehende Duell mit seinen künftigen Bayern-Mitstreitern wird Götze in den kommenden Tagen einen Medienrummel in bisher nicht gekanntem Ausmaß bescheren. Auch bei den Münchnern ist das Reporter-Interesse riesengroß, einen Blick auf die Trainingseinheit von Trainer Jupp Heynckes gab es aber nicht zu erhaschen.

Am ersten von drei Übungstagen hinter verschlossener Tür habe man gut trainiert, verriet Robben immerhin. Sammer berichtete in einer Pressekonferenz von einer "sehr fokussierten" Mannschaft, bei der "eigentlich alle zur Verfügung" stünden. In Dortmund gehen derweil die Mannschaftsärzte davon aus, dass Hummels (Sprunggelenksverletzung) und Götze rechtzeitig fit werden.

Sichtlich zufrieden hob Robben hervor, dass man nun keine Bundesligaspiele mehr vor sich habe, sondern nur noch das ganz große Endspiel am Samstag im Wembleystadion. "Am Ende zählt nur das Finale", erklärte der Niederländer. Man wolle eine großartige Saison fantastisch beenden, sagte der strahlende Robben und will vor dem Jahrhundertfinale auf die bewährte Vorbereitung bauen.

"Das, was wir das ganze Jahr gemacht haben, war erfolgreich, und dann musst du auch nichts anderes machen", sagte Robben. Auch Sammer hofft auf eine "gewisse Normalität" im Ablauf. "Die wichtigste Botschaft ist es, eine gewisse Gelassenheit zum Spiel zu entwickeln, langsam Spannung aufzubauen und natürlich in diesem Spiel zu explodieren", erklärte der Sportvorstand.

Voller Vorfreude auf Wembley stellte auch der einstige Bayern-Profi Hummels den Fußballfans ein Spektakel in Aussicht: "Ich denke, dass dieses Spiel eines der am meisten umkämpften sein wird, das es je zwischen zwei deutschen Teams gab."

Guardian