Berlin (dpa) - Er galt lange Zeit als Saubermann der Regierung. Nach und nach hat das Image von Verteidigungsminister de Maizière aber Kratzer bekommen. Und nun hat er mit dem Drohnen-Debakel ein echtes Problem.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) ist erst einmal abgetaucht. Fast täglich werden neue Vorwürfe und Spekulationen im Zusammenhang mit der "Euro-Hawk"-Pleite laut. Sein Ministerium soll die Reißleine viele Monate zu spät gezogen haben. Es soll die Probleme bei der Zulassung der größten Drohne der Welt für den europäischen Luftraum vertuscht haben. Es soll sogar dem Rechnungshof Informationen vorenthalten haben - rechtswidrig, wie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags meint.

De Maizière hat sich zu all dem bisher nur einmal geäußert - kurz und knapp. Wenn Probleme bei neuartigen Modellen auftauchten, werde erst nach einer Lösung gesucht, sagte er am vergangenen Donnerstag im Bundestag. Wenn die Probleme dann nicht adäquat behoben werden könnten und Kosten aus dem Ruder liefen, "dann ziehen wir die Reißleine".

Den Namen "Euro Hawk" nahm er nicht in den Mund, so als wenn er das Debakel nicht an sich heranlassen wollte. Aber schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass er für die mehrere hundert Millionen Euro teuren Fehler in seinem Ministerium früher oder später selbst geradestehen muss, und nicht mehr seinen Rüstungs-Staatssekretär vorschicken kann.

Acht Jahre ist de Maizière Mitglied in der Bundesregierung - und zum ersten Mal hat er ein Problem, das ihm wirklich gefährlich werden könnte. Vier Jahre lang war er unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Kanzleramtschef und koordinierte die Arbeit in der großen Koalition. Danach folgten eineinhalb Jahre als Bundesinnenminister und nun bereits zwei Jahre als Verteidigungsminister. De Maizière galt in all den Jahren als einer der wichtigsten Akteure im Kabinett und Vertrauter der Kanzlerin, dem bis heute sogar der Posten des Regierungschefs zugetraut wird.

In das Verteidigungsministerium startete de Maizière 2011 unter günstigen Voraussetzungen. Seinem Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg, der wegen seiner Plagiatsaffäre zurücktrat, wurde vorgehalten, das Ministerium im Chaos hinterlassen zu haben. De Maizière, der als Kind Feuerwehrmann werden wollte, trat als solcher an die Spitze des Hauses: Brand löschen, Schaden beseitigen und wieder für Ordnung sorgen. Das "Euro Hawk"-Desaster wirft nun ein Schlaglicht darauf, wie schwer es ist, einen Riesenapparat wie Bundeswehr und Ministerium im Griff zu behalten.

Erste Flecken hatte die weiße Weste des Saubermanns de Maizière schon vor dem "Euro Hawk"-Desaster. Im vergangenen September geriet der CDU-Politiker in Erklärungsnot, weil eine Akte über den Rechtsterroristen Uwe Mundlos des Bundeswehr-Geheimdienstes MAD den NSU-Untersuchungsausschusses mit erheblicher Verspätung erreichte. Im Februar löste er dann mit seiner Kritik an der "Gier" der Soldaten nach Anerkennung einen Sturm der Entrüstung in der Truppe aus.

Auch diese Welle der Kritik ebbte aber nach kurzer Zeit ab. Nach dem "Euro Hawk"-Scheitern wird die Opposition de Maizière allerdings nicht so einfach davonkommen lassen. Eine Rücktrittsforderung gab es bisher zwar nur von der Linken, aber auch SPD und Grüne wollen, dass Verantwortlichkeiten klar benannt werden.

De Maizière hat nun zunächst einmal gemacht, was in Krisensituationen gern getan wird - er hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Die soll nun ganz genau klären, was wann beim "Euro Hawk" schiefgelaufen ist. Zwei Wochen haben die Experten noch dafür Zeit. Zwei Wochen, in denen die Opposition mit Vorwürfen nachlegen wird und sich immer neue Fragen stellen werden. Der Auftritt de Maizières am 5. Juni vor dem Verteidigungsausschuss, bei dem er die Ergebnisse der Arbeitsgruppe vorlegen will, könnte zum wichtigsten seiner Amtszeit werden.

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