München (dpa) - Für den zuversichtlichen Favoriten FC Bayern soll sich ein Jahr nach dem Elfmeter-Drama zu Hause nun im Londoner Wembleystadion ein Kreis schließen.

"Letztes Jahr hat eine englische Mannschaft in München gewonnen. Dieses Mal hoffe ich, dass eine Münchner Mannschaft in England gewinnt", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge einen Tag vor dem Champions-League-Finale des deutschen Fußball-Meisters gegen Borussia Dortmund am Samstag. Riesengroß war der Andrang von Anhängern, Autogrammjägern und Medienvertretern beim Check-In der Münchner, denen die Favoritenbürde nach einer Rekord-Saison erst recht nichts ausmacht.

"Es mag sein, dass wir Favorit sind. Aber mit dem Druck können wir umgehen. Ich habe totales Vertrauen zur Mannschaft, totales Vertrauen zum Trainer. Es ist ein wichtiges und ganz bedeutendes Spiel", sagte Rummenigge. Mit knapp fünfminütiger Verspätung brachen Spieler, Trainer und Verantwortliche mit ihrem Lufthansa-Sonderflug LH 2570 zum Flughafen London-City auf - als erster der beiden Finalisten und mehr als zwei Stunden vor Dortmund. Zum Glück ging es für die Bayern nicht nach Heathrow, denn an Europas größtem Flughafen wurden am Freitagmorgen wegen einer Notlandung vorübergehend beide Startbahnen geschlossen.

Wie schon in der gesamten Final-Woche war die Zuversicht beim Rekordmeister auch am Reisetag riesengroß. "Wenn unsere Mannschaft Normalform erreicht, hat Dortmund keine Chance", betonte etwa 74er Weltmeister Paul Breitner am Freitag. "Wenn wir am Sonntagnachmittag wieder landen, bringen wir euch hoffentlich ein kleines Präsent mit", vermeldete Thomas Müller, mit acht Treffern erfolgreichster Bayer in dieser Champions-League-Saison. "Alle sind topfit und fokussiert auf das wichtigste Spiel der Saison. Ich freue mich auf ein schwieriges, packendes Spiel in Wembley."

Nicht nur wegen Rekorden en masse in der Bundesliga, sondern auch angesichts einer 11:0-Gesamtbilanz in den letzten vier Champions-League-Partien gegen Juventus Turin (Viertelfinale) und einen entzauberten FC Barcelona (Halbfinale) sehen sich die Münchner für das dritte Königsklassen-Finale in kurzer Zeit optimal gewappnet. "Unsere Mannschaft hat in den letzten fünf Jahren international Großartiges abgeliefert. Wir stehen zum dritten Mal im Finale", sagte Rummenigge vor "90 oder 120 schwere Minuten" in England. "Die Mannschaft ist in diesem Jahr sehr stabil und hat total fantastischen Fußball gespielt."

Die Münchner wollen nach den Final-Niederlagen 2010 und 2012 ihren zweiten Champions-League-Erfolg nach 2001 einfahren - und damit nicht nur sich selbst krönen, sondern auch Trainer Jupp Heynckes würdig verabschieden. "Ich denke, es gibt keinen in Deutschland, der diesem Trainer morgen diesen Pokal nicht gönnen würde", erklärte Rummenigge. Wenngleich das BVB-Anhänger womöglich anders sehen.

Im mit 86 000 Zuschauern ausverkauften Wembleystadion wollen die Münchner "nicht arrogant und auch nicht hochmütig oder überheblich" auftreten. "Wir wissen, was in einem Finale möglich ist. Wir brauchen einen guten Tag. Wir müssen so spielen, wie in den letzten Monaten", forderte Rummenigge. "Unser Ziel ist es, die Champions-League-Trophäe nach München zu holen." Gefeiert werden soll im Erfolgsfall angeblich nicht: Wiederholt betonten die Münchner, dass der Fokus danach auf das DFB-Pokal-Finale in Berlin am 1. Juni geht.