Berlin (SID) - Günter Netzer sieht den Grund für die Übermacht von Bayern München und Borussia Dortmund im deutschen Fußball auch in der Schwäche der Konkurrenten. Klubs wie der Hamburger SV, der VfB Stuttgart oder Eintracht Frankfurt müssten "sich vorwerfen lassen, dass sie die großen Unternehmen in ihren Städten nicht für den Fußball begeistern können", sagte der Welt- und Europameister dem Berliner Tagesspiegel (Samstagsausgabe).

Es müsse das erklärte Ziel der Verantwortlichen in den Klubs sein, ihre Vereine zu entwickeln, "um den Unterschied zu Bayern und Dortmund nicht allzu groß werden zu lassen", sagte Netzer: "Aber da beißt sich meist die Katze in den Schwanz: Einem erfolgreichen Verein schließt man sich gerne an, einem schwächeren lieber nicht."

Netzer sieht zudem das Engagement von Superreichen im Fußball kritisch. "Grundsätzlich ist zu viel Geld im Fußball involviert. Nicht von der Sponsoren her, sondern was das Engagement von Personen betrifft, die sich Vereine als Spielzeug halten", sagte Netzer.

Moralische Grenzen seien "teilweise überschritten". Dieses Mäzenatentum sei "sehr gefährlich. Es kann sein, dass diese Leute irgendwann die Lust am Fußball verlieren", sagte Netzer mit Blick auf Finanziers wie Roman Abramowitsch (FC Chelsea).

Für das Champions-League-Finale am Samstag sieht Netzer Bayern München im Vorteil. "Der Ausfall von Mario Götze war für mich ein kleiner Schock. Das tut den Dortmundern sehr weh und ist eine enorme Schwächung."

Die Bayern seien für ihn schon vorher leicht favorisiert gewesen. "Jetzt ist diese Rolle noch deutlicher geworden. Die Bayern sind so selbstsicher, so unbeirrt, so souverän durch die gesamte Saison marschiert. Es gibt keine Anzeichen, dass es ausgerechnet jetzt zusammenbricht." Das könne zwar passieren, er glaube es aber eher nicht.