Hamburg (SID) - Die Spitze der Handball-Bundesliga (HBL) denkt nach dem brutalen Kopfstoß von Torsten Jansen über eine Änderung seiner Statuten nach. "Zurzeit gehe ich davon aus, dass wir einen entsprechenden Antrag beim DHB stellen werden. Wir werden das in den kommenden Tagen ernsthaft prüfen", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann dem SID. Die bisherige Regelung, nach der ein Spieler seine Sperre im Gegensatz zum Fußball in der Saisonpause absitzen kann, sei "bizarr" und mache "keinen Sinn".

Auch Verbandsjustiziar Andreas Thiel, der Jansen am Donnerstag zu einer Rekordstrafe verurteilt hatte, sprach am Freitag von einem "Systemfehler" in der geltenden Rechtsordnung des Deutschen Handballbundes (DHB). "Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt", sagte Thiel dem SID. Der ehemalige Bundesligatorwart sieht für einen Änderungsantrag, der wahlweise von der Liga oder einem der Landesverbände beim DHB eingereicht werden kann, durchaus Chancen. Eine einfache Mehrheit beim DHB-Bundestag am 22. September in Düsseldorf genügt.

Geschäftsführer Bob Hanning von den Füchsen Berlin begrüßte die Überlegungen des Ligaverbandes, kritisierte aber dessen Vorgehensweise. "Herr Bohmann braucht sich keine Gedanken zu machen. Die Formulierung des Antrags hat die HBL von uns in der kommenden Woche auf dem Tisch", sagte Hanning dem SID: "Doch jetzt nach neuen Regeln zu schreien, überracht mich schon sehr. Die HBL hätte den Weg zum Sportgericht ohne Probleme gehen können - die Chance wurde vertan." Die HBL könne nicht Anwalt und Richter zugleich sein, monierte Hanning.

Der frühere Nationalspieler Jansen war nach seiner Tätlichkeit gegen den Berliner Ivan Nincevic für zehn Meisterschaftsspiele, längstens aber für zwei Monate gesperrt worden. Zudem muss der Linksaußen eine Geldstrafe in Höhe von 15.000 Euro zahlen. Es ist die höchste Strafe, die jemals im deutschen Handball verhängt wurde.

Faktisch bedeutet das Urteil der HBL-Disziplinarkommission allerdings, dass der Weltmeister von 2007 seinem Verein lediglich in den beiden noch ausstehenden Spielen der aktuellen Saison fehlen wird und er auch beim Final Four in der Champions League (1./2. Juni) spielberechtigt ist. Einen Antrag auf weitere Bestrafung durch das Bundessportgericht stellte die Kommission um HBL-Justiziar Andreas Thiel nicht, weil sie keine Grundlage für ein höheres Strafmaß sah.

Nincevic, der durch das Foul schwere Prellungen an Jochbein und Hinterkopf sowie eine schwere Gehirnerschütterung erlitt, bezeichnete das Urteil als "lächerlich. Der DHB sollte darüber nachdenken, diese Regel zu ändern. An den letzten beiden Spieltagen kann nun jeder foulen, wie er will, ihm passiert quasi nichts", sagte Nincevic der Bild-Zeitung. Hanning dazu: "Wir akzeptieren das Urteil ohne Wenn und Aber."