London (SID) - Schon Stunden vor dem "German Endspiel" der Champions League ist London fest in deutscher Hand. Seit dem Morgen bevölkerten Tausende Fans der Final-Gegner Bayern München und Borussia Dortmund die City - ab den Mittagsstunden waren es Zehntausende. Anhänger in schwarz-gelb oder rot-weiß verbreiteten vor allem an den Plätzen und Sehenswürdigkeiten schon Partystimmung. Da viele Fans in Hotels in den Londoner Außenbezirken untergebracht waren, wurde auch in den öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus und U-Bahn vorwiegend Deutsch gesprochen.

Alles blieb friedlich. Die Dortmunder Fans waren an den ersten Party-Zentren am Brunnen des Piccadilly Circus und auf dem Trafalgar Square deutlich in der Überzahl. Dort erreichte die Stimmung ihren vorläufigen Höhepunkt, als der vom BVB organisierte schwarz-gelbe Doppeldecker-Bus auftauchte und Fan-Utensilien verteilte. Die Dortmunder Fangesänge lockten zahlreiche Einheimische und TV-Teams an, die das Treiben der deutschen Gäste mit Interesse verfolgten.

Bayern-Anhänger tauchten zunächst eher in kleinen Gruppen auf. Schon ab Mittags besetzten zahlreiche Fans, die ohne Ticket angereist waren, die besten Plätze vor den Leinwänden und Fernsehern in den Pubs. Draußen spielte das Wetter mit, nachdem es an den Tagen zuvor nasskalt gewesen war: Es gab einen Mix aus Sonne und Wolken bei angenehmen 15 Grad.

Die Londoner Polizei, die seit dem Mord an einem britischen Soldaten mit vermutlich terroristischem Hintergrund am Mittwoch in erhöhter Alarmbereitschaft versetzt ist, hielt sich im Hintergrund. Letzten Schätzungen der Behördern zufolge sollen sich am Samstag 150.000 deutsche Fans in London befinden, 100.000 davon ohne Eintrittskarte fürs Finale. Der Independet schrieb am Samstag von der "größten deutschen Invasion seit dem fünften Jahrhundert".

Die britischen Zeitungen boten am Spieltag ausführliche Berichterstattungen vom deutschen Endspiel in Wembley. Der Daily Mirror rückte Thomas Müller in den Mittelpunkt: Es sei "Müller-Time - der Bayern-Star will unbedingt seine Hand an die Trophäe bekommen." Der Guardian druckte auf einer Sonderseite zwei Liegestühle ab, die vor der Wembley-Arena stehen, reserviert durch je ein Bayern- und ein BVB-Handtuch. Darüber weht ein Banner mit der Aufschrift "Fußball's coming home".

Aber auch die üblichen britischen Ausflüge in die Kriegsrhetorik durften nicht fehlen. Die Bundesliga sei mittlerweile die "gefürchtetste Division, seit es eine deutsche Truppe bis Stalingrad geschafft hat", schrieb der Mirror.