Cannes (dpa) - Der französische Film "La vie d'Adèle" über die Liebe zweier Frauen hat beim 66. Internationalen Festival Cannes die Goldene Palme gewonnen.

Mit teils sehr expliziten Sexszenen erzählt das Werk des Regisseurs Abdellatif Kechiche vom Beginn und Ende einer lesbischen Beziehung. Weitere Auszeichnungen gingen an die Regie-Brüder Ethan und Joel Coen sowie die Darsteller Bruce Dern und Bérénice Bejo. Das Internationale Festival von Cannes gilt als das wichtigste Filmfest der Welt. 2012 hatte das Drama "Liebe" des Österreichers Michael Haneke den Hauptpreis gewonnen.

In diesem Jahr wurde die Goldene Palme erstmals in der Geschichte der Filmfestspiele nicht nur an den Regisseur, sondern auch an die Schauspieler vergeben. Die Hauptdarstellerinnen des Films, Adèle Exarchopoulos (19) und Léa Seydoux (27), bekamen für ihre Leistung am Sonntagabend ebenfalls eine Auszeichnung überreicht. Für den 52 Jahre alten Regisseur Kechiche ist es der erste Preis in Cannes.

Während in Frankreich seit Wochen zahlreiche Menschen gegen die Homo-Ehe protestieren, entschied sich die Cannes-Jury um Präsident Steven Spielberg für einen Film mit einer Frauenliebe im Mittelpunkt. Das sehr stark gespielte "La vie d'Adèle" (englischer Titel: "Blue is the Warmest Colour") erzählt von Adèle, die sich in die etwas ältere Studentin Emma verliebt. Doch trotz seiner Geschichte ist "La vie d'Adèle" nicht nur ein Werk über eine lesbische Liebe. Kechiche beobachtet vielmehr die erste große Liebe an sich - und die damit einhergehenden, universellen Emotionen. Das dreistündige Werk überraschte aber auch mit seinen langen Sexszenen.

Die Jury zeichnete außerdem die Coen-Brüder mit dem Großen Preis der Jury aus, dem zweitwichtigsten Preis des Festivals. Die US-Regisseure ließen sich mit ihrem melodramatischen "Inside Llewyn Davis" durch die Folkmusik-Szene im New York der 60er Jahre treiben.

Auch die Preise für die besten Darsteller gingen in die USA und nach Frankreich: Als bester Schauspieler wurde der 76-jährige Bruce Dern für seine Leistung in dem Roadmovie "Nebraska" des Oscar-Preisträgers Alexander Payne geehrt. Beste Schauspielerin wurde Bérénice Bejo aus dem Beziehungsdrama "The Past" des Iraners Asghar Farhadi. Bejo war mit dem Stummfilm "The Artist" bekannt geworden.

Zwei weitere Auszeichnungen gab es für sozialkritische Werke. Für das im Drogenbandenmilieu spielende Drama "Heli" gewann der Mexikaner Amat Escalante den Preis für die beste Regie. Die Auszeichnung für das beste Drehbuch ging an Jia Zhangke für "A Touch Of Sin", das von verzweifelten Menschen im heutigen China erzählt.

Festival de Cannes