Berlin (dpa) - Vier Monate vor der Bundestagswahl kommt der neue chinesische Ministerpräsident Li Keqiang heute mit SPD-Chef Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zusammen. Zuvor setzt der 57-Jährige seine am Sonntag begonnenen Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Frühstück im Kanzleramt in Berlin fort.

Am Ende seines Deutschlandbesuches will Li Keqiang am Nachmittag Altbundeskanzler Helmut Schmidt seine Aufwartung machen. Der 94-jährige SPD-Politiker hatte in Deutschland mit seinem Verständnis für Chinas undemokratische Führung zunehmend Kritik auf sich gezogen. Am Nachmittag trifft sich Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit deutschen und chinesischen Wirtschaftsvertretern.

Am Sonntag hatte Li im Streit mit der EU um Strafzölle auf chinesische Solarmodule und Telekommunikationsprodukte den Ton verschärft. Gerade vor dem Hintergrund der nach wie vor schwächelnden Weltwirtschaft seien internationale Handelsschranken besonders fragwürdig, warnte der Ministerpräsident nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin.

Merkel sagte, sie halte nichts von dauerhaften Strafzöllen. Deutschland werde sich in den nächsten sechs Monaten intensiv für eine Verhandlungslösung zwischen China und der Europäischen Union stark machen.

Die EU will den Solar-Billigimporten aus China einen Riegel vorschieben und die Einfuhr von Solarmodulen dem Vernehmen nach mit einem durchschnittlichen Zollsatz von 47 Prozent belegen. China hatte im Gegenzug kürzlich eine Anti-Dumping-Untersuchung zu Importen von Stahlrohren aus Europa eröffnet.

In Berlin unterzeichneten Minister und Unternehmensvertreter beider Seiten eine zweistellige Zahl von Abkommen. Angaben über das Volumen gab es zunächst nicht. Unter anderem wurden Vereinbarungen von den Automobilherstellern BMW und VW unterschrieben.

Am Vormittag hatte Li bei einem Treffen mit dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) auf Schloss Cecilienhof in Potsdam den Anspruch seines Landes auf eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer unterstrichen. Japan müsse die Territorien zurückgeben.

Deutschland ist das einzige EU-Land auf Lis Reiseroute. Zuvor war er in Indien, Pakistan und der Schweiz.

Abkommen Deutschland/China vom Sonntag

Auswärtiges Amt zu chinesischer Wirtschaft