London (dpa) - Die britische Regierung will nach dem mutmaßlichen Terrorangriff auf einen Soldaten schärfer gegen islamische Extremisten vorgehen.

Radikale Prediger, die in Moscheen, Schulen oder Gefängnissen um Unterstützung werben, und Internetseiten mit extremistischem Inhalt sollen künftig stärker überwacht werden, sagte ein Sprecher der Downing Street am Sonntag. Im Zusammenhang mit der tödlichen Fleischerbeil-Attacke auf einen Soldaten nahm die Polizei am Wochenende weitere Verdächtige fest.

In einer neu eingerichteten Task Force gegen Extremismus sollen neben hohen Regierungsvertretern auch Geheimdienste und Polizei zusammenarbeiten. Die Gruppe solle vor allem praktische Maßnahmen ausarbeiten und auf den Weg bringen, hieß es.

Innenministerin Theresa May sagte, dass in Großbritannien Tausende Menschen lebten, die potenziell radikalisiert werden könnten. Sie seien unterschiedlich weit auf dem Weg hin zum gewaltsamem Extremismus, und es müsse genauer geprüft werden, ob es im Umgang mit ihnen neue Regelungen und Gesetze brauche, sagte sie in einem Interview mit dem Sender BBC am Sonntag.

Derzeit arbeiten laut May rund 500 Polizisten und Sicherheitsbeamte an der Aufklärung der Attacke, bei der ein 25 Jahre alter Soldat brutal getötet worden war. Der junge Familienvater war am Mittwoch unter anderem mit einem Fleischerbeil auf offener Straße zu Tode gehackt worden. Als Hauptverdächtige gelten zwei 22 und 28 Jahre alte Männer, die blutüberströmt und mit Waffen in der Hand am Tatort angetroffen wurden. Sie waren von der Polizei angeschossen worden und liegen im Krankenhaus. Einer von ihnen war gefilmt worden, als er islamistische Parolen ausrief. Bei den Männern soll es sich um britische Staatsbürger mit Verbindungen nach Nigeria handeln.

Polizei und Geheimdienste stehen in der Kritik, weil sie den älteren der beiden Männer bereits vor dem Angriff kannten. Neuen Medienberichten zufolge soll er bereits 2010 kurzfristig in Kenia festgenommen worden sein. Sicherheitskräfte hätten ihn damals verdächtigt, der islamistischen Al-Shabaab-Miliz beitreten zu wollen. Das britische Außenministerium bestätigte lediglich die Festnahme eines Briten in Kenia 2010.   

Am Samstagabend wurden drei Männer im Alter von 21, 24 und 28 Jahren festgenommen. Sie werden der Beihilfe zum Mord verdächtigt. Am Freitagabend war bereits ein 31 Jahre alter Freund eines der Hauptverdächtigen nach einem Fernsehinterview festgenommen worden. Er hatte unter anderem behauptet, der britische Inlandsgeheimdienst MI5 habe seinen Freund rekrutieren wollen. Dieser habe aber abgelehnt.

Zwei Frauen und ein Mann, die am vergangenen Donnerstag festgenommen worden waren, sind wieder frei. Die Frauen waren bereits am Freitag freigelassen worden und müssen nicht mit weiteren Schritten rechnen. Der 29 Jahre alte Mann kam am Sonntag auf Kaution auf freien Fuß.

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