Paris (dpa) - Am Himmel über Paris wurde es freundlicher, auch die Miene von Tennis-Routinier Tommy Haas hellte sich nach dem geglückten Start in seine zwölften French Open auf. Der 35-Jährige zog mit dem 7:6 (7:4), 6:1, 6:3 über den Franzosen Guillaume Rufin in die zweite Runde ein.

Der mehrmalige Regen des Tages und seine noch ausbaufähige Leistung schienen dem sonnenverwöhnten Wahl-Amerikaner lange Zeit die Laune verhagelt zu haben.

"Es war ein Vergnügen, wieder hier zu sein. Hoffentlich wird das Wetter die nächsten Tage ein bisschen besser, auch für Euch", rief Haas nach dem Sieg den Zuschauern auf den spärlich besetzten Rängen des Court Suzanne Lenglen zu. "Ich bin früh hergekommen, dann wurde verschoben. Ich hatte meine Knöchel getapt, das Tape kam dann wieder runter. Zum Glück gab es im Match nur eine Unterbrechung."

Mit nahezu drei Stunden Verspätung betraten Haas und Rufin kurz vor 14.00 Uhr den Platz, während die letzten Tropfen fielen. Das Thermometer zeigte gerade einmal 13 Grad. Die langsamen, schweren Bedingungen schienen Haas nicht zu behagen, ebenso wenig das eigene Spiel. Der Familienvater haderte frühzeitig nach Fehlern, bot insgesamt aber eine solide Leistung gegen den 98. der Weltrangliste.

Verlassen konnte sich die deutsche Nummer eins vor allem auf den Aufschlag. Bei eigenem Service geriet der zweimalige Paris-Halbfinalist kaum in Gefahr. Im Tiebreak gelang ihm ein wunderbarer Passierball zum 2:2, danach holte sich Haas auch dank einiger Fehler von Rufin den Durchgang sowie wenig später das erste Mal das Service des 23-jährigen Bart- und Stirnbandträgers.

Der Außenseiter konnte sein anfängliches Niveau nicht mehr halten, bekam bei einer 1:0-Führung im dritten Satz aber dank des nächsten Regens noch eine gut einstündige Schonfrist. Sie nützte Rufin nichts mehr. Haas schaffte ein Break zum 2:1 und konterte den folgenden ersten Aufschlagverlust sofort. Zwar machte er selbst einige Fehler und schimpfte: "Wahnsinn - es geht nix vorwärts. Einmal das Aufschlagsspiel ein bisschen fix!" Doch nach knapp zwei Stunden Spielzeit gewann er auch das zweite Duell gegen Rufin. Haas trifft nun in der zweiten Runde auf den Amerikaner Jack Sock.

Julian Reister ist dagegen ausgeschieden. Der Qualifikant aus Reinbek unterlag 7:6 (7:2), 1:6, 0:6, 4:6 gegen den Linkshänder Federico Delbonis aus Argentinien. Vor drei Jahren hatte Reister als Qualifikant die dritte Runde erreicht, war dort aber am Schweizer Roger Federer gescheitert. Damit sind sechs von zehn deutschen Herren ausgeschieden.

Haas und Kohlschreiber durften sich vor ihren ersten Partien über ein dickes Lob von Boris Becker freuen. Der dreimalige Wimbledon-Champion zeigte sich beeindruckt vom "fünften Frühling" von Haas. "Der junge Mann ist schließlich 35 Jahre alt", strich Becker in einem Interview von eurosport.yahoo.de heraus.

Kohlschreiber bescheinigte er trotz mancher Kritik eine bislang hervorragende Karriere mit einer Klassebilanz, auf die dieser stolz sein könne. Der Augsburger habe "internationale Turniere gewonnen und ist schon sehr lange Mitglied der Top 20 oder 30 der Welt - das ist bärenstark. Was ihm fehlt, ist die Konstanz in der oberen Weltelite. An was das liegt, das weiß nur er selbst."

Allerdings sieht Becker derzeit im deutschen Herrentennis kein Talent, das auf dem Sprung in die Weltelite steht. "Was mir aber fehlt, ist der 21-Jährige, der auf Platz 25 im ATP Ranking steht und die Chance hat, irgendwann die Top 10 anzugreifen. Warum es den nicht gibt, ist ein abendfüllendes Thema", sagte Becker und fügte hinzu: "Bei den deutschen Männern passt die Quantität, die Qualität suche ich aber noch."

Becker-Interview