Paris (dpa) - Die Rückkehr des Regens nach Paris hat Tommy Haas vor dem Start in die French Open eine diesmal unerwünschte Pause beschert.

Der beste deutsche Tennisprofi hatte nach seiner Erkältung und dem Aus beim Turnier in Düsseldorf genug Zeit zur Erholung bekommen - auf die Verzögerung hätte der 35-Jährige wohl gern verzichtet.

Der Wahl-Amerikaner sollte eigentlich gleich um 11.00 Uhr zu seinem Erstrundenspiel gegen den Franzosen Guillaume Rufin auf dem Court Suzanne Lenglen antreten. Haas musste aber ebenso warten wie die später angesetzten Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer. Außerdem waren noch Qualifikant Julian Reister und Annika Beck an der Reihe. Talent Beck sollte als letzte der 17 gestarteten deutschen Teilnehmer in das Grand-Slam-Turnier eingreifen.

Haas und Kohlschreiber durften sich vor ihren ersten Matches über ein dickes Lob von Boris Becker freuen. Der dreimalige Wimbledon-Champion, der in Paris mit dem Halbfinale zufrieden sein musste, zeigte sich beeindruckt vom "fünften Frühling" von Haas. "Der junge Mann ist schließlich 35 Jahre alt", strich Becker in einem Interview von eurosport.yahoo.de am Dienstag heraus.

Kohlschreiber bescheinigte er trotz mancher Kritik eine bislang hervorragende Karriere mit einer Klassebilanz, auf die dieser stolz sein könne. Der Augsburger habe "internationale Turniere gewonnen und ist schon sehr lange Mitglied der Top 20 oder 30 der Welt - das ist bärenstark. Was ihm fehlt, ist die Konstanz in der oberen Weltelite. An was das liegt, das weiß nur er selbst." Auch Florian Mayer habe besonders auf Sand seine Qualitäten.

Allerdings sieht Becker derzeit im deutschen Herrentennis kein Talent, das auf dem Sprung in die Weltelite steht. "Was mir aber fehlt, ist der 21-Jährige, der auf Platz 25 im ATP Ranking steht und die Chance hat, irgendwann die Top 10 anzugreifen. Warum es den nicht gibt, ist ein abendfüllendes Thema", sagte Becker und fügte hinzu: "Bei den deutschen Männern passt die Quantität, die Qualität suche ich aber noch."

Haas als 14. und Kohlschreiber als 19. waren beim Start der French Open die besten Deutschen in der Weltrangliste, Mayer ging als Nummer 30 in das Turnier und zählte auch schon zu den Top 20. Daniel Brands als 59., Tobias Kamke als 72. und Benjamin Becker als 97. sind die weiteren Deutschen unter den ersten 100. Brands war in Paris trotz starker Leistung an Rafael Nadal gescheitert, Kamke steht in Runde zwei, Benjamin Becker schied aus.

Ex-Champion Becker wünscht sich, dass deutsche Spieler vor allem bei den Grand-Slam-Turnieren regelmäßig die zweite Woche erreichen und damit zumindest das Achtelfinale. "Außerdem wäre es toll, wenn Haas noch lange gesundbleibt und internationale Erfolge feiert."

Ein Pauschallob verteilte Becker an die deutschen Tennis-Damen um die "famose" Angelique Kerber. "Das sieht alles sehr gut aus, was da passiert", betonte der 45-Jährige. Kerber, Sabine Lisicki und Qualifikantin Dinah Pfizenmaier erreichten in Paris an den ersten beiden Turniertagen die zweite Runde, die angeschlagene Julia Görges war dagegen zum Auftakt gescheitert.

Becker-Interview