Paris (dpa) - Altkanzler Helmut Schmidt sorgt sich um Europa und wirft den Verantwortlichen Mutlosigkeit bei der Krisenbekämpfung vor.

"Die Regierungschefs und die Finanzminister haben einen Rettungsmechanismus nach dem anderen erfunden, einer heißt ESM der andere EFSM - was weiß ich - lauter Abkürzungen, die ich nicht mehr beherrsche", sagte der 94-Jährige am Mittwochabend bei einer Diskussionsveranstaltung mit dem früheren französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing (87) in Paris. "Was ich sehe ist, dass sie alle nicht funktionieren, weil niemand den Mut hat, wirklich zu helfen."

Ein Lob vom Altkanzler gab es lediglich für EZB-Chef Mario Draghi. Die einzige Institution in Europa, die funktioniere und ihre Pflichten wahrnehme, sei die Europäische Zentralbank (EZB), sagte Schmidt.

Grundsätzlich gebe es vielmehr eine Krise der Institutionen als eine Eurokrise. Der Euro sei derzeit völlig stabil und in keiner Weise in Gefahr, sagte Schmidt bei der vom TV-Sender Phoenix aufgezeichneten Diskussion. Das Gespräch soll an diesem Sonntag (2. Juni, 17.00 Uhr) ausgestrahlt werden.