Istanbul/Washington (dpa) - Im syrischen Bürgerkrieg setzen die Konfliktparteien trotz internationaler Bemühungen um eine Friedenskonferenz zunehmend auf einen militärischen Sieg. Präsident Baschar al-Assad erklärte, erste Teile des russischen S-300-Flugabwehrsystems seien in Syrien eingetroffen.

Der syrische Machthaber glaubt, dass seine Truppen im Kampf gegen die Rebellen bereits das Schlimmste überstanden haben. Dazu haben nach seinen Worten russische Waffenlieferungen sowie die libanesische Hisbollah-Miliz beigetragen. Aus Israel, das noch Anfang der Woche mit einer angemessenen Antwort auf die russischen Lieferungen gedroht hatte, kam zunächst keine Reaktion.

Assad sagte in einem aufgezeichneten Interview mit dem Hisbollah-Fernsehsender Al-Manar, aus dem die libanesische Zeitung "Al-Akhbar" am Donnerstag vorab Zitate veröffentlichte: "Die ersten russischen S-300-Flugabwehrraketen hat Syrien erhalten, der Rest wird bald ankommen." Die russische Armee hatte die Leistungsfähigkeit ihres Boden-Luft-Abwehrsystems S-300 in den vergangenen Tagen bei einer Übung medienwirksam demonstriert. "Das militärische Kräfteverhältnis hat sich jetzt komplett zugunsten der Armee verschoben", betonte Assad.

Israel hatte zuvor betont, es werde der Lieferung der Flugabwehrraketen an Syrien nicht tatenlos zusehen. "Wir wissen, was zu tun ist, sollten die Raketen in Syrien eintreffen", sagte Verteidigungsminister Mosche Jaalon bereits am Dienstag. Die Behauptungen Assads über die bereits erfolgte erste Teillieferung wollte Mark Regev, Sprecher von Regierungschef Benjamin Netanjahu, ebenso wie den Rest der Rede vorerst nicht kommentieren.

Zur Rolle der Hisbollah sagte Assad nach Angaben der Zeitung: "Syrien und die Hisbollah bilden eine Schicksalsgemeinschaft". Die Angehörigen der libanesischen Partei kämpften allerdings nur im Grenzgebiet zum Libanon, während die Regierungstruppen "in der Schlacht gegen die bewaffneten Gruppen den Befehl führen".

Die USA verurteilten den Kampfeinsatz der Hisbollah in Syrien erneut aufs Schärfste. "Das ist eine inakzeptable und extrem gefährliche Eskalation", sagte die Außenamtssprecherin Jennifer Psaki am Mittwoch (Ortszeit) in Washington. Die Hisbollah müsse ihre Kämpfer sofort aus dem Bürgerkriegsland abziehen.

Zuvor hatte schon der UN-Menschenrechtsrat die Intervention durch ausländische Kämpfer aufseiten des Assad-Regimes verurteilt. Sie stelle eine sehr ernste Bedrohung der Stabilität in der Region dar, warnte das Gremium am Mittwoch in einer neuen Syrien-Resolution - ohne allerdings die Hisbollah namentlich zu nennen.

Die Rebellen dankten der EU derweil für den Entschluss, das Embargo zu beenden. Sie bräuchten spezielle Waffen, um Angriffe von Assad-Truppen und Hisbollah auf Zivilisten zurückschlagen zu können, hieß es in einer Erklärung der Nationalen Syrischen Koalition. In der Nacht zum Donnerstag hat das Bündnis, dessen Führung bereits seit einer Woche in Istanbul berät, zudem ihre Teilnahme an der von den USA und Russland geplanten Friedenskonferenz "Genf 2" zugesagt.

Allerdings verknüpften die Oppositionellen ihre Zusage mit Bedingungen: Ein konkreter Zeitplan und verbindliche internationale Garantien. Gleichzeitig betonten die Oppositionellen, der Rücktritt Assads sei notwendig, damit eine politische Lösung gefunden werden könne. Die syrische Regierung hat keine Bedingungen für ihre Teilnahme an der Konferenz gestellt.

Russland nannte die Forderungen nach einem Rücktritt Assads "unerfüllbar". Außenminister Sergej Lawrow kritisierte am Donnerstag in Moskau, dass die Nationale Syrische Koalition nicht bereit sei, ohne Vorbedingungen an der von Russland und den USA geplanten Konferenz in Genf teilzunehmen. "Und überhaupt sollte niemand irgendwelche Ultimaten stellen", sagte Lawrow.

UN-Menschenrechtsrat