Istanbul/Damaskus (dpa) - Die syrische Opposition hat das Rote Kreuz aufgefordert, den mehr als 1000 Verwundeten in der belagerten Ortschaft Al-Kusair zu helfen.

Die Nationale Syrische Koalition erklärte am Donnerstag in Istanbul, in der Kleinstadt, die seit der vergangenen Woche von Regierungstruppen und Kämpfern der libanesischen Hisbollah-Miliz angegriffen wird, fehlten Ärzte, Sanitäter und Erste-Hilfe-Material.

Nach Informationen der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldeten Revolutionsaktivisten in Al-Kusair am Morgen erneut heftige Kämpfe.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad glaubt, dass seine Truppen im Kampf gegen die Rebellen nun das Schlimmste überstanden haben. Dazu haben nach seinen Worten auch russische Waffenlieferungen und die Hisbollah-Miliz beigetragen. "Die ersten russischen S-300-Flugabwehrraketen hat Syrien erhalten, der Rest wird bald ankommen", sagte Assad in einem aufgezeichneten Interview mit dem Hisbollah-Fernsehsender Al-Manar, aus dem die libanesische Zeitung "Al-Akhbar" am Donnerstag vorab Zitate veröffentlichte.

"Das militärische Kräfteverhältnis hat sich jetzt komplett zugunsten der Armee verschoben", fügte Assad hinzu. Zur Rolle der Schiiten-Miliz Hisbollah sagte er nach Angaben der Zeitung: "Syrien und die Hisbollah bilden eine Schicksalsgemeinschaft". Die Angehörigen der libanesischen Partei kämpften allerdings nur im Grenzgebiet zum Libanon, während die Regierungstruppen "in der Schlacht gegen die bewaffneten Gruppen den Befehl führen".

Die USA haben unterdessen den Kampfeinsatz der libanesischen Hisbollah-Miliz in Syrien erneut aufs Schärfste verurteilt. "Das ist eine inakzeptable und extrem gefährliche Eskalation", sagte die Außenamtssprecherin Jennifer Psaki in Washington. Die Hisbollah müsse ihre Kämpfer sofort aus dem Bürgerkriegsland abziehen. Die USA seien zudem sehr besorgt wegen Berichten über Vorfälle in den Grenzenregionen um Syrien in den vergangenen Tagen.

Zuvor hatte schon der UN-Menschenrechtsrat die Intervention durch ausländische Kämpfer aufseiten des Assad-Regimes verurteilt. Sie stelle eine sehr ernste Bedrohung der Stabilität in der Region dar, warnte das Gremium am Mittwoch in einer neuen Syrien-Resolution - ohne allerdings die libanesische Hisbollah-Miliz namentlich zu nennen.

In der Nacht hatte die Nationale Syrische Koalition, deren Führung bereits seit einer Woche in Istanbul berät, ihre Teilnahme an der von den USA und Russland geplanten Friedenskonferenz "Genf 2" zugesagt. Allerdings verknüpften die Oppositionellen ihre Zusage mit Bedingungen. Sie erklärten: "Die Teilnahme der Syrer an einer Konferenz muss mit der Festlegung eines konkreten Zeitplans verbunden sein sowie mit verbindlichen internationalen Garantien." Gleichzeitig betonten die Oppositionellen, der Rücktritt von Präsident Assad sei notwendig, damit eine politische Lösung gefunden werden könne. Die syrische Regierung hat keine Bedingungen für ihre Teilnahme an der Konferenz gestellt.

Erklärung Koalition Verwundete, Englisch