Mannheim (dpa) - Das ist selbst bei SAP ein Novum: "Um ein Haar hätte ich mich in der Situation befunden, hier oben nur loben zu können", sagte Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

"Das ist wirklich ein schöner Zustand", pflichtete Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung der institutionellen Privatanleger ihm bei. Auf der diesjährigen Hauptversammlung am Dienstag gaben sich die Aktionäre überwiegend friedfertig.     

Vor allem der jüngste Vorstandswechsel sorgte aber für kritische Nachfragen. Cloud-Chef Lars Dalgaard und Personalchefin Luisa Delgado verlassen nach jeweils nicht mal einem Jahr das Unternehmen.

"Wir sind daran gewöhnt, dass es auf der Vorstandsebene zugeht wie im Taubenschlag", sagte Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzgemeinschaft Wertpapierbesitz in Anspielung auf vorherige Wechsel - und formulierte auch bei anderen Aktionären gehegte Sorge: "Wird SAP jetzt amerikanisch?"

Aufsichtsratschef Hasso Plattner beschwichtigte, der Grund für den Rücktritt von Lars Dalgaard sei ein Krankheitsfall in der Familie. Für deutsche Vorstände sei gesorgt: Der Vertrag des langjährigen SAP-Vorstands Gerhard Oswald sei gerade um zwei Jahre verlängert worden.

Über die Nachfolge von Finanzchef Werner Brandt, dessen Vertrag Mitte 2014 auslaufe, mache sich der Aufsichtsrat bereits Gedanken, sagte Plattner.

Dabei spielten Nationalitäten keine Rolle: "Wenn das eine Indikation ist, dann wird die Nachfolge von jemandem aus der Region bestellt werden", sagte Plattner.

Um Brandt, der ab Juli auch die Rolle des Personalchefs innehat, zu unterstützen, rückt der 41-jährige Luka Mucic als "Head of Finance" in die zweite Führungsebene bei SAP - das Global Managing Board - auf.

Die Nachfragen nach SAPs deutschen Wurzeln kommen nicht ohne Grund: Im Mai hatte SAP die Leitung seiner Kommunikationsabteilung ins kalifornische Palo Alto verlegt. Dort sind bereits wichtige Entwicklungsbereiche angesiedelt.

Außerdem arbeitet der Softwarekonzern an der Notierung in einem für internationale Konzerne gedachten Börsensegment in Shanghai. "Wird SAP in Zukunft in Deutschland repräsentiert sein?", fragte Bernhard Koller vom Verein der Belegschaftsaktionäre.

Es sei nicht geplant, den Firmensitz zu verlegen, betonte Finanzchef Brandt. "Wir sind ein weltweit agierendes Unternehmen", sagte Plattner. SAP werde aus den USA, Shanghai aber auch aus Deutschland gesteuert. "Die Amtssprache", betonte der SAP-Gründer "bleibt weiterhin deutsch."

Kritik an der Geschäftsentwicklung wurde im Keim erstickt: 2012 war der Softwarekonzern zwar am eigenen Gewinnziel vorbeigeschrammt, hatte aber einen neuen Umsatzrekord von 16,2 Milliarden Euro aufgestellt. Die Aktionäre bekamen 85 Cent je Anteilsschein - 10 Cent mehr als im Vorjahr.

Vor allem das Geschäft mit den strategisch neuen Bereichen boomt. Die Zahl der Datenbank-Kunden stieg weiter. "Wir haben schon mehr als 1500 Hana-Kunden", sagte SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe. Auch die Zahl der Nutzer von SAP-Mobilanwendungen wuchs auf 100 Millionen, die Anwender von SAPs Mietprogrammen stieg auf 29 Millionen. In allen drei Bereichen habe SAP Marktanteile gewonnen, sagte Snabe.

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