München (dpa) - Im NSU-Prozess hat der Angeklagte Holger G. zugegeben, den mutmaßlichen Terroristen bei ihrem Leben im Untergrund geholfen zu haben. Er bestritt jedoch entschieden, von terroristischen Straftaten der Gruppe gewusst zu haben.

"Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass die drei möglicherweise Gewalt in dem hier vorgeworfenenen Ausmaß gegen andere ausüben könnten", hieß es in der schriftlichen Erklärung, die er am Donnerstag vor dem Münchner Oberlandesgericht verlas. Den Angehörigen der Opfer sprach er sein Mitgefühl aus. Was er getan habe, tue ihm "fürchterlich leid". "Ich möchte mich dafür entschuldigen."

Holger G. soll die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos über Jahre unterstützt haben. Unter anderem soll er sie mit Ausweispapieren versorgt haben: Er soll ihnen seinen Reisepass und seinen Führerschein überlassen haben. Damit soll das Terrortrio mehrfach Wohnmobile angemietet haben - wobei die Zeitpunkte der Anmietungen mit mehreren der zehn Morde zusammenfallen, die dem NSU zur Last gelegt werden. G. ist wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagt.

G. betonte, er habe nie den Eindruck gehabt, mit den Mitgliedern einer terroristischen Vereinigung befreundet zu sein oder solche zu unterstützen. Es habe sich um Freundschaftsdienste gehandelt - und die drei hätten stets beteuert, mit den Papieren "keinen Scheiß" zu machen. Wofür seine Identität missbraucht worden sei, habe er erst nach dem Auffliegen der Terrorgruppe im November 2011 erkannt.

Der Prozess wurde im Anschluss an die Erklärung des Angeklagten bis kommenden Dienstag unterbrochen - weil G. ankündigte, über die schriftliche Erklärung hinaus zunächst keine weiteren Fragen beantworten zu wollen. Kommende Woche soll dann voraussichtlich auch die Vernehmung des Angeklagten Carsten S. fortgesetzt werden.

Pressemitteilung zur Anklageerhebung