Berlin (dpa) Verteidigungsminister Thomas de Maizière kämpft weiter um sein Amt. Ungeachtet der Drohnen-Affäre will er bei einem Wahlsieg der Union bis 2017 im Amt bleiben. Rücktrittsforderungen lässt er an sich abprallen.

"Ich möchte gerne diesen sehr schwierigen Weg, der Neuausrichtung der Bundeswehr und der Umstrukturierung des Ministeriums, (...) gerne noch vier Jahre weiter führen", sagte der Minister in der ARD. An Rücktritt habe er wegen des Hunderte Millionen Euro teuren Scheiterns des Drohnen-Projekts "Euro Hawk" nicht gedacht. In den Wahlkampf gehe er nun "mit einem kräftigen blauen Auge, aber das kann ja auch verheilen".

Im ZDF räumte de Maizière ein, dass das Krisenmanagement hätte besser laufen können. "Ich hoffe ich bin ein guter Verteidigungsminister, vielleicht nicht ein so guter Selbstverteidigungsminister", sagte er.

Die Opposition hielt ihren Druck auf de Maizière aufrecht. Die Grünen behalten sich weiter die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses noch vor der Wahl im September vor. Dafür bräuchten sie aber die Unterstützung der SPD, die skeptisch ist. Die Linke lehnt einen solchen Schritt ab. "Das ist reine Verschleppung", sagte der Außenexperte Jan van Aken. "Da kann man dann noch einen guten Wahlkampf draus machen, aber Informationen hat man nicht gewonnen." Stattdessen solle der Verteidigungsausschuss für weitere Aufklärung sorgen.

De Maizière hatte am Mittwoch einen 67-seitigen Untersuchungsbericht zu dem Drohnen-Debakel vorgelegt. Darin verteidigte er den späten Stopp des Projekts wegen massiver Probleme bei der Zulassung für den europäischen Luftraum und einer drohenden Kostenexplosion. Allerdings bemängelte er, dass er zu spät in die Entscheidungen eingebunden wurde. Zudem behielt er sich personelle Konsequenzen vor.

Die SPD warf de Maizière vor, durch den späten Stopp des "Euro Hawk" bis zu 150 Millionen Euro verbrannt zu haben. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jürgen Trittin, bezweifelte, dass de Maizière seinem Amt noch gewachsen ist. "Eine politische Führung, die sich selber taub und blind stellt, um dann zu sagen: Ich überlege mir ein paar personelle Konsequenzen, das ist ein Abgrund an Hilflosigkeit", sagte er dem rbb-Inforadio.

Bericht der "Euro Hawk"-Arbeitsgruppe

Bewertungen durch den Minister

Bundeswehr zu "Euro Hawk"

Erklärung der "Euro Hawk"-Hersteller

Euro Hawk GmbH