München (dpa) - Der NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG) ist fortgesetzt worden. Der Vorsitzende Manfred Götzl will den Angeklagten Carsten S. weiter vernehmen.

Der 33-Jährige hatte bereits an zwei Prozesstagen in der vergangenen Woche umfangreich und bis zur Erschöpfung ausgesagt. Seine Befragung war dann auf Wunsch seiner Verteidiger unterbrochen worden, weil der für ihn zuständige psychiatrische Gutachter Norbert Leygraf nicht anwesend war. Am Dienstag war der Experte wieder im Gericht.

Carsten S. ist wegen Beihilfe zu neun Morden angeklagt. Er hat gestanden, für die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe im Auftrag des Mitangeklagten Ralf Wohlleben eine Pistole mit Schalldämpfer besorgt zu haben. Mit einer solchen Waffe der Marke "Ceska" wurden neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft ermordet. Böhnhardt und Mundlos töteten sich selbt; Zschäpe ist als Mittäterin bei allen Verbrechen des NSU angeklagt. Die Aussage von S. belastet besonders Wohlleben, der sich wegen Beihilfe zum neunfachen Mord verantworten muss. Mit Spannung wird deshalb die Befragung von S. durch Wohllebens Verteidiger erwartet.

S. hatte sich von der rechten Szene losgesagt, um offen als schwuler Mann leben zu können. Dass die Pistole für Morde benutzt werden könnte, habe er nie geglaubt, betonte S. Er sei davon ausgegangen, dass damit "nichts Schlimmes passiert". Die Anklage wirft ihm dagegen vor, er habe damit rechnen müssen, dass die Waffe für die Tötung von Menschen eingesetzt werden sollte.

Pressemitteilung zur Anklageerhebung