Berlin (dpa) - Nach dem Durchzug der Hochwasserwelle im Norden und Osten Deutschlands haben sich die Rettungskräfte am Wochenende auf den Abfluss der Wassermassen konzentriert. Die Furcht vor dem Bruch aufgeweichter Dämme hielt vielerorts weiter an.

Bundeswehr und Technisches Hilfswerk kämpften unermüdlich gegen die Wassermassen - und das mit ungewöhnlichen Ideen: In Sachsen-Anhalt wurden am Samstagabend zwei Lastkähne in der Elbe versenkt, um ein Loch im Damm zu stopfen.

Mit der Versenkung der Schiffe, die Stunden später erfolgte als zunächst geplant, wurde nach Angaben des Kommandeurs des Landeskommandos Sachsen-Anhalt, Oberst Claus Körbi, eine rund 90 Meter lange Lücke im Deich auf etwa 20 Meter reduziert. Damit kann sich das Hochwasser nicht mehr so stark wie bislang ausbreiten.

Die sogenannten Schuten - Lastkähne ohne eigenen Antrieb - wurden per Sprengung auf den Grund des Flusses gesetzt. Im Minutentakt setzten Hubschrauber danach große Sandsäcke in die Kähne, um sie zu beschweren. Die Schiffe konnten nicht vollständig die Lücke im Damm schließen - die verbliebene Öffnung von rund 20 Metern Länge soll nach Angaben Körbis am Sonntag auf gleich Weise durch einen weiteren Kahn geschlossen werden.

Schätzungen zufolge ist eine Fläche von rund 200 Quadratkilometern in der Region überflutet. Zahlreiche Ortschaften mussten bereits evakuiert werden, am Samstag kamen Jederitz und Kuhlhausen hinzu.

Weiter südlich in Breitenhagen (Salzlandkreis) wurde ein Deichstück gesprengt. Damit wurde ein Loch im Deich vergrößert, damit das Hochwasser aus den überfluteten Gebieten besser in die Saale zurückfließen kann.

Leichte Entspannung stellte sich dagegen im Norden und Süden ein: Die Pegelstände in Dömitz und Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern sinken derweil - der Katastrophenalarm aber blieb. Die durch den anhaltenden Wasserdruck aufgeweichten Deiche an der Elbe und den Eldezuflüssen sind einem Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim zufolge sehr anfällig. Durch den lange anhaltend hohen Wasserstand und Regenfälle seien die Deiche stark durchnässt. Es gebe Sickerstellen, wo Wasser durch den Deich drücke.

Vielerorts sind die Aufräumarbeiten nach sinkenden Pegelständen im Gange. Im schleswig-holsteinischen Lauenburg konnten die 300 Bewohner nach fast einer Woche wieder in ihre Häuser zurückkehren. Der Pegelstand in Lauenburg sank unterdessen bis zum späten Nachmittag auf 9,02 Meter und lag damit wieder unter dem Höchststand von 9,22 während des Hochwassers von 2011. Normal sind dort rund 5 Meter.

Aus Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen hieß es, dass die Stadtinsel Hitzacker voraussichtlich am Abend auch von Besuchern wieder betreten werden dürfe. Dort war die Evakuierung der Insel bereits am Freitagmorgen aufgehoben worden. Entwarnung für das Elbe-Hochwasser in Niedersachsen gibt es allerdings noch nicht. An vielen Pegeln seien die Wasserstände noch ähnlich hoch wie bei den Hochwassern 2002 und 2011, hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bereits am Freitag erklärt.

In Bayern ist laut Polizei der letzte noch gesperrte Abschnitt der A 3 zwischen den Anschlussstellen Hengersberg und Deggendorf im Bayerischen Wald seit Samstag wieder befahrbar. Auch die meisten Schiffe auf der Donau können zwischen Regensburg und Passau wieder ohne Behinderungen fahren. Lediglich auf Bayerns Bahnstrecken gibt es noch größere Behinderungen, vor allem zwischen München über Rosenheim und Salzburg nach Wien sowie zwischen München über Garmisch-Partenkirchen nach Innsbruck.

Pegel Hitzacker

Pegel Bleckede

Sperrung Autobahn

Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg

Sperrungen Deutsche Bahn