Chicago (SID) - Im zweiten Eishockey-Krimi um den Stanley Cup hat Dennis Seidenberg mit den Boston Bruins den ersten Sieg eingefahren. Drei Tage nach der bitteren 3:4-Niederlage in der dritten Verlängerung feierte der Nationalspieler bei den Chicago Blackhawks einen 2:1-Erfolg - diesmal in der ersten Overtime. Der 31-Jährige machte damit den ersten Schritt zu seinem zweiten NHL-Titelgewinn nach 2011.

"Es war extrem wichtig für uns, jetzt mit einem Sieg im Gepäck nach Hause zu fahren. In der Kabine waren natürlich alle überglücklich. Wir wissen, dass wir nach dem schwachen ersten Drittel mit einem blauen Auge davongekommen sind", sagte Seidenberg dem SID.

Patrick Sharp hatte die zunächst deutlich überlegenen Blackhawks vor 22.000 Zuschauern im United Center mit seinem neunten Play-off-Tor in Führung (12.) gebracht. Chris Kelly (35.) erzwang die Verlängerung, Daniel Paille sorgte in der 74. Minute für die Entscheidung. Boston glich damit in der best-of-seven-Serie auf 1:1 aus und hat am Dienstag (2.00 Uhr) erstmals Heimrecht.

Seidenberg und Co. wurden im ersten Drittel regelrecht überrollt. Sie konnten froh sein, dass sie nur mit einem 0:1-Rückstand in die erste Pause gingen. Torhüter Tuukka Rask wehrte 18 von 19 Schüssen ab und machte gleich mehrere hochkarätige Chancen der punktbesten Mannschaft der Hauptrunde zunichte. Nach einem Bauerntrick von Jonathan Toews mussten die Schiedsrichter den Videobeweis bemühen, der Puck hatte die Torlinie aber nicht überschritten (13.).

Die Bruins, die im ersten Durchgang nur vier Torschüsse abgegeben hatten, kamen danach immer besser ins Spiel. Der sechsmalige Stanley-Cup-Sieger gestaltete die Partie offener, dennoch fiel der Ausgleich aus heiterem Himmel. Kelly traf im Nachschuss, nachdem Corey Crawford die Scheibe nach einem Schuss von Paille nach vorne abgewehrt hatte.

Die erste Chance in der Overtime hatte Bostons Altstar Jaromir Jagr. Der 41-Jährige, der zuletzt 1992 im Finale gestanden hatte, traf den Pfosten (62.). Paille belohnte zwölf Minuten später die nun deutlich überlegenen Gäste mit dem Siegtor.

Seidenberg, der zu Beginn wie seine Teamkollegen große Probleme hatte, wurde mit zunehmender Spielzeit immer stärker, gewann wieder die Mehrzahl der Zweikämpfe und stabilisierte die Abwehr. Insgesamt stand der Ex-Mannheimer 31:00 Minuten auf dem Eis - so lange wie kein anderer Spieler. "Ich arbeite im Sommertraining extrem hart, um in den Play-offs topfit zu sein. Aber diese Serie ist schon verdammt hart", sagte Seidenberg.