Frankfurt/Main (SID) - Weltmeistertrainer Heiner Brand hat nach dem fast sicheren EM-Aus der deutschen Handballer die Liga in die Pflicht genommen und erneut die seit Jahren nötigen Strukturveränderungen angemahnt. "Jetzt sollten es eigentlich alle kapiert haben, dass systematisch Dinge falsch gemacht wurden, wenn man die Bedeutung des Handballs hochhalten will", sagte Brand dem SID: "Ich habe 15 Jahre über dieses Thema gesprochen. Es muss eine gemeinsame Herangehensweise und auf Dauer ein Weg gefunden werden, um wieder oben dabei zu sein."

Der Vorgänger von Bundestrainer Martin Heuberger und heutige Manager des Deutschen Handballbundes (DHB) prangerte schon während seiner Zeit an der Seitenline der DHB-Auswahl den hohen Anteil ausländischer Spieler bei den deutschen Spitzenklubs an. Das schwache Abschneiden in der EM-Qualifikation, die am Samstag mit dem quasi wertlosen 38:19 (21:12) gegen Israel zu Ende ging, sei auch auf die Unerfahrenheit der Spieler zurückzuführen. "Das ist eine Folge der Situation, dass die Spieler zu spät in den Fokus geraten", sagte Brand.

Die erste Europameisterschaft ohne deutsche Beteiligung sei "sicherlich bitter", meinte der 60-Jährige, der Deutschland 2007 zum WM-Titel geführt hatte: "Aber wir können uns ja im nächsten Jahr für die Weltmeisterschaft qualifizieren und dann ist das schnell vergessen. Das haben andere Sportarten auch überstanden."

An eine Trainerdiskussion glaubt Brand nicht. "Ich gehe davon aus, dass er die Zeit bekommt", sagte er über seinen Nachfolger Heuberger, der nach der vorentscheidenden 25:27-Pleite am vergangenen Mittwoch in Montenegro massiv in die Kritik geraten war.