Köln (SID) - Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke hat hämisch auf das Doping-Geständnis von Jan Ullrich reagiert und wirft dem früheren Tour-de-France-Sieger vor, längst nicht die ganze Wahrheit zu sagen. "Das ist ein neuer Europarekord der Lüge. Er hat ja 2006 oder 2007 in vier Sprachen geschrieben, dass er Herrn Fuentes gar nicht kenne. Er hat damals vor Gericht eine Unterlassung gegen mich erwirkt, die ich erst nach viereinhalb Jahren umdrehen konnte", sagte der Heidelberger Molekularbiologe dem SID.

Ullrich (39) hat Blutdoping-Behandlungen beim umstrittenen spanischen Sportmediziner Eufemiano Fuentes zugegeben. "Ja, ich habe Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen", sagte er in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus. Der Ex-Radprofi, der im Februar 2012 bereits gestanden hatte, Kontakt zu Fuentes gehabt zu haben, behauptet laut Focus, keine anderen Dopingmittel als sein eigenes Blut verwendet zu haben.

Für Franke ist diese Behauptung ein Witz. "Er hat germanisches Blut, dazu gehört, geschichtliche Lügen fortzuführen, fortzuführen, weiter, weiter fortzuführen. Jetzt wird sehr zeitnah herauskommen, dass er auch mit verbotenen Substanzen gedopt hat. Er hat andere geschädigt", sagte er.

Auch für Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Heroldsberg, ist Ullrichs Aussage nur ein Teilgeständnis. "Es erscheint unvorstellbar, dass er mit reinem Blutdoping ausgekommen ist. Wenn ein Sportler seinen Körper durch Blutdoping auf eine höhere Stufe bringt, wird fast immer mit Steroiden gearbeitet, um die stärkeren Belastungen aufzufangen", sagte Sörgel dem SID. Ullrich gestehe "scheibchenweise, dass er bei Fuentes war, ist nur ein Teil der Geschichte".

Franke bezeichnete Ullrich als einen Menschen, der versucht habe, andere sehr aggressiv zum Schweigen zu bringen. Das sei "eine besondere Frechheit". Aber die größte Lüge komme immer noch von jenen, die Ullrich rechtlich vertreten hätten: "Das sind die größten Gauner, die haben ihn in die Lügen reingeritten."