Nürnberg (dpa) - Die Deutschen haben mehr Geld in der Tasche - das lässt die Kauflaune auf den höchsten Stand seit fast sechs Jahren steigen.

Der stabile Arbeitsmarkt und die guten Tarifabschlüsse der letzten Zeit stimmten die Bürger optimistisch, teilte das Marktforschungsunternehmen GfK am Mittwoch in Nürnberg mit.

Dies mache sich bei vielen bereits im Portemonnaie bemerkbar - auch weil die Inflation im Augenblick relativ niedrig sei, erklärte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Insgesamt kletterte der Konsumklimaindex für Juli von 6,5 auf 6,8 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit September 2007.

Im Juni hätten die verschiedenen Indikatoren der Verbraucherstimmung aber keinen einheitlichen Trend gezeigt. Während die Einkommenserwartung kräftig zulegte, stieg die Konjunkturerwartung nur leicht - die Anschaffungsneigung verlor leicht, blieb aber auf hohem Niveau.

Die Zuversicht der Bürger in die Konjunktur stieg zwar weiter und liegt nun leicht über dem langfristigen Durchschnitt, wird aber durch die Entwicklung im Ausland gehemmt. Schließlich befindet sich immer noch eine Reihe von EU-Staaten in einer Rezession - und auch die Weltwirtschaft schwächelt.

Für die Exportnation Deutschland bedeute das ein langsameres Wachstum, sagte Bürkl. "Das ist eine schleppende oder holprige Erholung, die sich hier abzeichnet."

Die Neigung der Deutschen zum Geldausgeben bleibt dennoch hoch. Denn Sparen ist momentan unbeliebt: "Die Verbraucher halten es derzeit überhaupt nicht für attraktiv, Geld auf die hohe Kante zu legen, weil die Zinsen historisch niedrig sind", erläuterte Bürkl.

Höhere Löhne nach den jüngsten Tarifrunden sorgten zudem für Planungssicherheit, die die Bürger für größere Anschaffungen benötigten, erklärte die GfK. Das Geschäft mit Immobilien profitiere zusätzlich von besonders günstigen Krediten und Baufinanzierungen.

Durch den Wiederaufbau und die Reparaturen nach dem Hochwasser in Teilen Deutschlands rechnen die Konsumforscher mit weiteren Impulsen. Milliarden von Versicherungen und Fluthilfe-Fonds würden wie ein kleines Konjunkturpaket wirken, sagte Bürkl.

Allerdings habe sich das Hochwasser bei den Interviews von Anfang Juni bei den 2000 befragten Verbrauchern nur ansatzweise niedergeschlagen. Die immensen Schäden seien zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen gewesen.

Die GfK betonte, dass die deutsche Wirtschaft ohne starken Konsum in die Rezession rutschen würde. Die bisherige Entwicklung deute aber darauf hin, dass die Konsumausgaben 2013 wie von den Forschern vorhergesagt um etwa ein Prozent steigen werden. Allerdings dürfe die Schuldenkrise nicht eskalieren - sonst könne das Vertrauen der Verbraucher langfristig leiden.

GfK-Mitteilung