Porto Vecchio (SID) - Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin hat wenige Tage vor Beginn der 100. Tour de France (29. Juni bis 21. Juli) seine Kritik an der Streckenführung der Alpe d'Huez-Etappe erneuert. "Vielleicht muss auch erst was passieren, dass jemand da die Grätsche macht, vielleicht ist das so. Ich weiß nicht, warum das sein muss", sagte der 28-Jährige im SID-Interview.

Die Kritik entzündet sich an der Abfahrt nach dem ersten Anstieg. Der schlechte Asphalt hinunter vom Col de Sarenne, keine Leitplanken zur Sicherung - Martin schwant Schlimmes. Er ist der Meinung, dass Veranstalter ASO viel zu viel riskiert, gar mit dem Leben der Radprofis spielt, denn in der Hitze des Gefechts wird kaum einer Vorsicht walten lassen. Eine Reaktion der ASO habe Martin bislang nicht erhalten: "Ich werde von den Medien darauf angesprochen, aber von den Organisatoren bisher nicht."

Schon kurz nach dem Tour-Testlauf beim Critérium du Dauphiné Anfang Juni hatte Martin sich echauffiert. "Die Straße ist alt, schmal, die Fahrbahn schlecht, keine Leitplanken, bei einem Fahrfehler geht es direkt 30 Meter im freien Fall runter. Uns dort lang zu schicken, ist verantwortungslos", monierte er damals.

Insgesamt findet der Olympia-Zweite von London die Tour aber "sehr fair". Die Kritik an der zweimaligen Auffahrt nach L'Alpe d'Huez teilt Martin nicht: "Am Ende sage ich, ob ich zweimal Alpe d'Huez hochfahre oder Telegraphe, Galibier und hintendrauf Alpe d'Huez, ist egal." Die Schwere der Etappen sei auch keine Rechtfertigung für Doping: "Wenn alle sauber sind, wird die Etappe eben drei km/h langsamer gefahren, so einfach ist das."

Martin, der nach dem Mannschaftszeitfahren auf der vierten Etappe Gelb tragen könnte, regt jedoch eine Verkürzung der Etappen an: "Dadurch ist mehr Spannung, mehr Bewegung im Rennen. Das wäre ein Schritt, um den Radsport für die Zuschauer attraktiv zu machen."