Hamburg (SID) - Der finanziell angeschlagene Hamburger SV steuert auf einen neuen Machtkampf zu. Nachdem brisante Informationen aus dem Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten an die Öffentlichkeit gestreut wurden, sucht Manfred Ertel, Vorsitzender des obersten Kontrollgremiums, den Maulwurf. "Solche gezielten Indiskretionen sind unfair und extrem vereinsschädigend und verdienten die Rote Karte, denn sie kommen zu einem aberwitzigen Zeitpunkt und stellen falsche Zahlen und Fakten in den Raum", sagte Ertel in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt, "so gibt es zum Beispiel keinen Transferstopp."

Am Mittwoch hatte die Bild-Zeitung von einem neuen Millionen-Minus in der HSV-Bilanz berichtet und dabei Interna aus der Aufsichtsratssitzung vom Montagabend öffentlich gemacht. "Wir fahren voll gegen die Wand", wurde eine nicht näher genannte Quelle zitiert.

Diese Informationen wurden laut Ertel gezielt lanciert, um den Verein zu destabilisieren. "Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass hier aus einer Minderheitenposition heraus eigene Politik betrieben wird und handelnde Personen diskreditiert werden sollen", sagte der Spiegel-Redakteur, "der Versuch, den Vorstand in seiner Existenz zu erschüttern, verurteile ich aufs Schärfste. Und ich werde mich dagegen wehren, meine persönliche und berufliche Integrität durch üble Nachrede erschüttern zu lassen. Vor solchen Niederträchtigkeiten zu kapitulieren und ihren Urhebern den Verein zu überlassen, kommt aber nicht infrage."

Vorstands-Chef Carl-Edgar Jarchow (58) hatte bereits erklärt, dass Notverkäufe von Stars wie Towart René Adler oder Regisseur Rafael van der Vaart trotz der angespannten finanziellen Lage kein Thema seien. "Das ist absolut ausgeschlossen", sagte Jarchow, allerdings müssten Spieler verkauft werden, um den Gehaltsetat von rund 48 Millionen Euro auf unter 40 Millionen zu senken: "Wir wollen den Kader verschlanken, uns punktuell verstärken und das Budget senken", sagte Jarchow dem SID, "das heißt auch, dass wir jetzt nicht erst mal fünf Spieler kaufen, ohne zu verkaufen. Das geht Hand in Hand."