Lausanne (SID) - Thomas Bach geht als Favorit auf die Zielgerade des Rennens nach Buenos Aires. Seit Donnerstag gibt es noch weniger Zweifel daran, dass der 59 Jahre alte Wirtschaftsanwalt am 10. September in Argentiniens Hauptstadt als erster Deutscher zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt wird. Denn vor 88 der weniger als 100 IOC-Mitglieder, die in zwei Monaten den Nachfolger von Jacques Rogge wählen, machte der taktisch clevere Diplomat auch bei der historisch ersten und einzigen Präsentation der sechs Kandidaten für den Chefsessel der Welt-Sportregierung eine gute Figur.

"Ich bin Athlet, für mich ist das Ziel erst am Tag des großen Finales erreicht. Übertragen auf die Distanz einer Stadionrunde sind vielleicht 250 bis 300 m zurückgelegt", meinte Bach, der zu verstehen gab: "In diesem Rennen gibt es nur die Goldmedaille. Silber und Bronze werden nicht verteilt."

Bach präsentierte sich in Englisch, Französisch und Spanisch und landete zum Auftakt gleich einen Lacherfolg: "Ich habe erzählt, was mir ein Doyen riet, als ich ein junger Mann im IOC war. Er meinte, wann immer Du sprichst, musst Du den Präsidenten loben. Wenn Du schläfst, dann mit offenen Augen. Und wenn Du dabei noch den Stift führen kannst, stehst Du vor einer großen Zukunft", gab Bach wieder und bekannte: "Das hat mich damals motiviert. Und jetzt hat es mir Szenenapplaus gebracht, das Eis war gebrochen."

Bach absolvierte seine 15-minütige "IOC-Kür" als dritter Kandidat. Er durfte dabei nicht zuhören, als sich vor ihm seine beiden härtesten Rivalen präsentierten, um mögliche Fehler der Konkurrenz nicht nutzen zu können. Erst warb Richard Carrion (60), Banker und IOC-Schatzmeister aus Puerto Rico mit einem Sonderfonds für IOC-Mitgliedsländer und Wegfall der Altersgrenze für IOC-Mitglieder für sich, dann der ebenfalls millionenschwere Ng Ser Miang (Singapur/64), wie Bach aktueller Vizepräsident des IOC, mit seinem Programm "Zurück zu den Wurzeln".