Stare Jablonki (dpa) - Katrin Holtwick und Ilka Semmler kämpften bei der Beachvolleyball-WM mit den Tränen, aus Laura Ludwig und Kira Walkenhorst platzte dagegen die ganze Freude über den Sensations-Coup mit lauten Jubelschreien heraus.

Die Olympia-Fünfte und ihre neue Partnerin warfen bei den die brasilianischen Favoritinnen Talita/Lima mit 2:1 (21:17, 14:21, 20:18) aus dem Wettbewerb und sorgten für die erste große Überraschung im heißen Stare Jablonki. "Wir wussten, dass wir das Potenzial haben, gegen ein solch gutes Team zu gewinnen", kommentierte Ludwig den erfolgreichen Kraftakt bei mehr als 30 Grad vor 3500 Fans auf dem Centercourt.

Zur selben Zeit hatten sich die deutschen Meisterinnen Holtwick/Semmler in die hinterste Ecke eines Trainingsplatzes verkrochen: Nichts sehen, nichts hören nach dem schmerzhaften WM-Aus schon in der ersten K.o.-Runde. "Ich kann es nicht erklären", meinte Katrin Holtwick, die ihre Tränen hinter einer dicken Sonnenbrille versteckte. Eigentlich wollten die Berlinerinnen im polnischen Masurenland endlich eine WM-Medaille gewinnen. Der Traum platzte nach drei Gruppensiegen mit 1:2 (21:15, 17:21, 13:15) gegen das vier Plätze schlechter gesetzte niederländische Duo Keizer/Van Iersel jäh. "Das ist natürlich ganz bitter", sagte Holtwick.

Die nationale Nummer eins der deutschen Beach-Girls muss nun schon nach Hause reisen, Ludwig/Walkenhorst dürfen im Konzert der Weltbesten weiter mitspielen. Der Sieg gegen Brasilien hat ihr Selbstbewusstsein kräftig aufgepeppt. "Dass es das Beste von uns war, kann man noch nicht sagen. Das Turnier geht weiter", sagte die 22-jährige Kira Walkenhorst. Nach Olympia im Vorjahr in London hatte die gebürtige Essenerin, die jetzt mit der 27 Jahre alten Ludwig in Hamburg trainiert, die zurückgetretene Sara Goller ersetzt. Nach zwei abgewehrten Satzbällen verwandelte Walkenhorst den vierten Satzball mit einem knallharten Ass zum Erfolg gegen Brasilien.

Für Bundestrainer Jörg Ahmann, den ersten deutschen olympischen Medaillengewinner mit Platz drei in Sydney 2000, ist Kira Walkenhorst "das größte deutsche Beachvolleyballtalent seit Jahren". Für die neue Ludwig-Partnerin prasselt seit ihrem Wechsel ins Nationalteam eine Menge Neues ein. "Presse, Fernsehen, Sponsoren, das eigene große Team mit drei Trainern - das ist alles Neuland für mich", sagte die einstige U23-Europameisterin. Die ehrgeizige Hamburgerin Ludwig will bis zu den Olympischen Spielen mit Walkenhorst ein Niveau erreichen, um in den Medaillenkampf eingreifen zu können.

Als eine wichtige Neuerung haben Ludwig/Walkenhorst die beiden ehemaligen Trainer der Olympiasieger Julius Brink und Jonas Reckermann verpflichtet. Jürgen Wagner und Hans Voigt zählen zu dem Bestem, was es auf dem deutschen Markt derzeit gibt. Zudem steht in Helke Claasen eine ehemalige Beach-Nationalspielerin als zusätzliche Balltrainerin am Olympiastützpunkt in Hamburg zur Verfügung.

Das Turnier-Aus ereilte auch Victoria Bieneck und Julia Großner (Berlin). Sie verloren gegen die an Position acht gesetzten Italienerinnen Cicolari/Menegatti knapp mit 1:2 (21:18, 15:21, 11:15). "Wenn man so nah dran ist, tut es richtig weh", sagte Großner.

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