Kronach (dpa) - Der schwer angeschlagene TV-Gerätehersteller Loewe kämpft gegen die Pleite und sucht seine Rettung im Gläubigerschutz.

Das deutsche Traditionsunternehmen beantragte am Dienstag beim Amtsgericht Coburg ein sogenanntes Schutzschirmverfahren für die Loewe AG und die Tochter Loewe Opta GmbH.

Ein Gerichtssprecher bestätigte den Eingang der Anträge. Das Gericht werde im Laufe der nächsten Tage entscheiden, ob man das Verfahren genehmigt.

Die Besonderheit dieser relativ neuen Möglichkeit im deutschen Insolvenzrecht: Das Unternehmen kann versuchen, sich unter gerichtlichem Schutz zu sanieren - und wird weiter von seinem Management geführt.

Ausdrücklich betonte das Unternehmen: "Die Loewe AG und die Loewe Opta GmbH sind nicht zahlungsunfähig, so dass damit die wichtigsten Voraussetzungen für ein Schutzschirmverfahren, so wie es die Gesetzgebung vorsieht, gegeben sind." Alle Kundenaufträge würden erfüllt und auch Lieferantenverbindlichkeiten würden beglichen.

"Alle anderen in- und ausländischen Tochtergesellschaften arbeiten weiter wie bisher und nehmen nicht am Verfahren teil", heißt es in der Mitteilung weiter. Der Geschäftsbetrieb am Stammsitz im fränkischen Kronach mit seinen 800 Beschäftigten werde "uneingeschränkt fortgeführt".

Die Krise von Loewe hatte sich schon länger abgezeichnet - und Anfang Juni dramatisch zugespitzt: Weil massive Verluste mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt hatten, sah sich Loewe gesetzlich gezwungen, für Ende Juli die Aktionäre zu einer Hauptversammlung laden - um für eine Kapitalerhöhung zu sorgen.

Frisches Geld soll von bestehenden und neuen Investoren kommen. Wichtigster Anteilseigner ist der japanische Elektronikriese Sharp mit knapp 29 Prozent (Ende 2012).

Loewe, ursprünglich 1923 von den Brüdern Siegmund und David Ludwig Loewe in Berlin gegründet, ist eine der letzten deutschen Traditionsmarken im Fernsehgeschäft, bei denen die Geräte noch in Deutschland produziert werden. Am Standort Kronach fertigt Loewe seit 1948.

Allerdings muss das Unternehmen seit Jahren kämpfen. Der Markt ist von rasantem technologischen Wandel und den mächtigen Konkurrenten im Fernen Osten geprägt, wie zum Beispiel Samsung und Panasonic. Sie fertigen die TV-Geräte in riesigen Stückzahlen und günstiger als hierzulande.

Die Probleme zeigen sich in den Geschäftszahlen: Loewe schreibt seit 2010 rote Zahlen. Der Umsatz ist seit 2008 rückläufig, von damals 374 auf 250 Millionen Euro 2012.

Allein in den ersten drei Monaten 2013 brach der Umsatz um weitere 35 Prozent auf 43,5 Millionen Euro ein, unter dem Strich standen 11,6 (Vorjahr: 1,0) Millionen Euro Verlust zu Buche. Ende März beschäftigte Loewe 988 Mitarbeiter. Im Rahmen der Restrukturierung "wurden zum 1. April 2013 insgesamt 180 Arbeitsplätze über alle Bereiche des Unternehmens abgebaut", hieß es im Bericht zum 1. Quartal 2013.

Die Loewe-Aktie - ohnehin seit Jahren im Sinkflug - legte nach Veröffentlichung der Mitteilung am Dienstag eine wahre Achterbahnfahrt hin. Erst brach der Kurs in der Spitze um bis zu 27 Prozent auf 1,45 Euro ein. Später erholte sich die Aktie und lag in der Spitze mit rund 8 Prozent im Plus - um anschließend wieder kräftig einzuknicken. Am Nachmittag stand sie bei 1,73 - ein Minus von knapp 13 Prozent.

Das von Loewe angestrebte Schutzschirmverfahren soll betroffene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger schützen, ohne die Geschäfte einem Insolvenzverwalter zu überlassen. Es ähnelt dem aus den USA bekannten Gläubigerschutz ("Chapter 11"). In Deutschland gibt es diese Möglichkeit noch nicht lange. Sie beruht auf dem Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen, das im März 2012 in Kraft trat.

ad-hoc-Mitteilung zum Schutzschirmverfahren

Pressemitteilung Loewe

ad-hoc-Mitteilung zur Hauptversammlung am 31.7.

Bericht zum 1. Quartal 2013, pdf

Geschäftsbericht 2012