Kalmar (dpa) - Jetzt soll der Gruppensieg her! Befreit und gestärkt gehen die deutschen Frauen bei der Fußball-Europameisterschaft in Schweden in das abschließende Vorrundenspiel gegen Norwegen.

Schon ein Unentschieden genügt dem Spitzenreiter der Gruppe B, um als Erster das Viertelfinale zu erreichen. «Wir müssen unser Spiel machen. Wir gehen in die Partie, um zu gewinnen», kündigte Bundestrainerin Silvia Neid vor dem Duell mit dem Ex-Weltmeister am Mittwoch in Kalmar an.

Tags zuvor hatte der DFB-Tross zufrieden den zweimaligen Spielort Växjö verlassen und sein neues Quartier im Hotel «Skansen» in Färjestadt auf der schwedischen Urlaubsinsel Öland bezogen. Dort wurde die Mannschaft von einer Hoteldelegation freundlich empfangen, ein Glas alkoholfreien Prosecco inklusive: «Das war echt süß», sagte Anja Mittag, und auch Saskia Bartusiak freute sich über den Tapetenwechsel. «Da sieht man mal etwas anderes. Es scheint hier sehr schön zu sein», sagte Bartusiak.

Von Färjestaden sind es 15 Kilometer über eine Brücke auf das Festland zur Kalmar Arena, wo Norwegen bislang beide EM-Partien gegen Island (1:1) und die Niederlande (1:0) austrug. «Norwegen wird uns fordern», betonte Neid mit Blick auf den Dauerrivalen. Gegen keine andere Mannschaft der Welt hat Deutschland so viele Spiele bestritten wie gegen die Skandinavierinnen. In 35 Duellen ging die DFB-Auswahl 17 Mal als Sieger vom Platz, 13 Partien gingen verloren.

Aus dem 3:0-Befreiungsschlag gegen die Isländerinnen hat das junge deutsche Team laut Neid nicht nur Selbstbewusstsein geschöpft, sondern auch die wichtige Erkenntnis mitgenommen, «das man Erfolg nur haben kann, wenn alle gut zusammenarbeiten». Neid muss ihre Startelf allein schon wegen der Gelbsperre von Linksverteidigerin Jennifer Cramer aber wieder leicht modifizieren. «Vielleicht ist noch die ein- oder andere Spielerin ein bisschen angeschlagen. Wir werden mal schauen, wer auflaufen wird», sagte die Bundestrainerin.

Toptorjägerin Celia Okoyino da Mbabi, zweifache Torschützin gegen Island, hat Norwegens Spiel gegen Island zum Teil gesehen. «Es wird schwer», fasste die 25-Jährige ihre Eindrücke zusammen. «Sie werden alles daran setzen, uns zu schlagen, um Gruppenerster zu werden. Uns wird mit Sicherheit nichts geschenkt.» Sie glaubt aber nicht, dass sich etwaige Umstellungen im DFB-Team leistungsmindernd auswirken. «Bei uns können Spielerinnen eins zu eins ersetzt werden, ohne dass es zu einem Bruch in unserem Spiel kommt.»

Selbst bei einer Niederlage gegen das Team von Even Pellerud würde der Rekord-Europameister wohl nicht ausscheiden, weil sogar der dritte Platz für das Viertelfinale genügen kann. Voraussetzung aber ist, dass mindestens einer der anderen Gruppendritten weniger Punkte oder (bei Punktgleichheit) ein schlechteres Torverhältnis aufweist. «Von solchen Rechenspielchen halte ich nichts», wiegelte Neid ab.

Zumal man als Dritter schon im Viertelfinale auf einen starken Gruppenersten, beispielsweise Frankreich, treffen würde. Als Gruppensieger könnte man in Kalmar bleiben und sich ohne Umzug auf das K.o.-Spiel gegen den Zweiten der Gruppe C vorbereiten. Der Gegner hieße dann am kommenden Montag entweder Spanien, England oder Russland. Nach den bisherigen Eindrücken durchaus lösbare Aufgaben.

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