Berlin (SID) - Deutschlands derzeit bester Sprinter Julian Reus (25) hat mit Genugtuung auf die jüngsten Doping-Enthüllungen um die Sprintstars Tyson Gay (USA) und Asafa Powell (Jamaika) reagiert. "Wie schaffen es Leute, die vermutlich auch nicht mehr trainieren und opfern, so viel schneller zu sein als ich, und zwar auf einem konstant hohen Niveau das ganze Jahr über", fragte sich der deutsche Meister über 100 und 200 m im Gespräch mit der Tageszeitung Die Welt (Mittwoch-Ausgabe): "Ich verhehle nicht, dass ich mich also ein bisschen gut fühle, weil nun gewiss ist, dass diese vermeintlichen Ausnahmeläufer es nur mit verbotenen Mitteln schaffen. Das, was ich mir erarbeitet habe, bekommt dadurch einen höheren Wert", sagte Reus weiter.

Der Wattenscheider liegt mit seiner persönlichen Bestzeit von 10,09 Sekunden in der ewigen deutschen Bestenliste auf Platz zwei hinter DDR-Sprinter Frank Emmelmann (10,06 Sekunden/1985). Im internationalem Vergleich befindet sich Reus damit allerdings unter ferner liefen. "Die Kluft dazwischen, wie sich der Sprint in Deutschland und der Sprint international entwickelt hat", sagte Reus, "ist so groß, dass es für uns nur gut sein kann. Von den historisch zehn schnellsten Männern über die 100 Meter sind inzwischen neun positiv getestet worden. Meine Hoffnung ist, dass unsere Leistungen in einem anderen Licht gesehen werden."

Einzig Weltrekordler Usain Bolt (Jamaika) ist von den zehn schnellsten Läufern bislang noch nicht in die Doping-Falle getappt - für Reus unerklärlich. "Da fragt sich mein gesunder Menschenverstand, wie das wohl sein kann. Zumal das Zeug, das einige der gedopten Jungs eingeworfen haben, enorme Leistungssprünge erahnen lässt", sagte er.