Gap (dpa) - Erster diesjähriger Sieg für einen Radprofi aus Portugal, verpasste Chance für Andreas Klöden: Rui Costa hat die 16. Etappe der 100. Tour de France in Gap gewonnen. Der Movistar-Profi aus Portugal war nach 168 Kilometern schnellster einer ursprünglich 26 Fahrer starken Ausreißergruppe.

Der Parcours in den Alpen mit drei noch moderaten Anstiegen kam dem Gewinner der Tour de Suisse 2013 entgegen. Schon mehrere hundert Meter vor dem Ziel jubelte der 24-jährige Movistar-Fahrer, der als Solist siegte.

Costa hatte aus der inzwischen zersplitterten Gruppe am letzten Anstieg auf den Col de Manse attackiert und ließ sich den Vorsprung von rund 50 Sekunden, den er am Gipfel hatte, nicht mehr nehmen. Auf der elf Kilometer langen, schwierigen Abfahrt ins Ziel musste er dennoch mit vollem Risiko fahren. Bester deutscher Radprofi war Altmeister Andreas Klöden auf Rang fünf. Der ehemalige Telekom-Profi und Ullrich-Edelhelfer fuhr ebenfalls in der Spitzengruppe, konnte Costas Solosieg aber nicht verhindern.

Der Brite Christopher Froome verteidigte sein Gelbes Trikot und konterte dabei auf dem letzten Anstieg im Rücken der Ausreißer mehrere Attacken seines Herausforderers Alberto Contador. Eine Schrecksekunde hatten die beiden Rivalen auf der Schlussabfahrt zu überstehen, als Contador strauchelte und auch Froome ins Gras ausweichen musste. Am Ende erreichten alle Topfavoriten mit gut elf Minuten Rückstand das Ziel. An Froomes Vorsprung von 4:14 Minuten auf den Niederländer Bauke Mollema und 4:25 Minuten auf den zweifachen Toursieger Contador aus Spanien änderte sich dennoch nichts.

Unmittelbar nach dem Start in Vaison-La-Romaine hatten die ersten Fahrer versucht, wegzukommen. Allmählich hatte sich eine große Ausreißergruppe gebildet, in der zunächst auch Jens Voigt und Degenkolb, der sich einiges ausgerechnet hatte, fuhren. Doch sie fielen zurück und die definitive Spitzengruppe aus 26 Fahrern hatte sich gebildet.

Bei einem Vorsprung von über acht Minuten 67 Kilometer vor dem Ziel war spätestens eigentlich klar, dass die Flüchtlinge Erfolg haben würden. Das Szenario kam den Topfahrern um Froome, Mollema und Contador einen Tag vor dem schweren zweiten Tour-Einzelzeitfahren entgegen. Ihre Verzweiflung auf der Verfolgung von einer geschlossenen Bahnschranke kurz aufgehalten worden zu sein, hielt sich deshalb in Grenzen.

Sie testeten sich untereinander lediglich auf dem 9,5 Kilometer langen Schlussanstieg vor der Abfahrt ins Ziel. Eine Attacke von Contador konnte Froome mit Hilfe seines Teamkollegen Richie Porte kontern. Danach herrschte wieder "Waffenstillstand" zwischen den Großmächten.

Über 32 Kilometer zwischen Chorges und Embrun werden am Mittwoch mehr bergerfahrene Fahrer als die Spezialisten im Kampf gegen die Uhr gefragt sein. Auch deshalb rechnet sich Doppel-Weltmeister Tony Martin auf der 17. Etappe keinerlei Chancen aus. "Das wäre, als wenn ich Ansprüche auf einen Etappensieg in L'Alpe d'Huez stellen würde", hatte der Sieger des Zeitfahrens von Saint Mont-Michel erklärt. Froome dürfte für diesen Parcours alle Voraussetzungen erfüllen, seinen dritten Tageserfolg einzufahren.